TOP Ö 9: Interkommunaler Kulturentwicklungsplan

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Abstimmung: Ja: 22, Nein: 0, Enthaltungen: 0, Befangen: 0

Beschluss:

Der Kulturausschuss nahm mit Befremden die Ablehnung der Stadt Neuss vom 20.02.2020 an der gemeinsamen Erarbeitung des interkommunalen Kulturentwicklungsplanes zur Kenntnis.


Protokoll:

Herr Lonnes führte aus, dass sich alle Kommunen mit Ausnahme der Stadt Neuss an der Erarbeitung des interkommunalen Kulturentwicklungsplanes beteiligen werden. Der Kreis habe mittlerweile einen Förderbescheid in Höhe von 50.000 € für das Projekt erhalten.

 

Die Stadt Neuss habe sich gegen eine gemeinsame Strategieentwicklung entschieden, da die Unterschiede zwischen der Stadt Neuss, dem Kreis und den übrigen Kommunen zu groß seien. So sehe sich die Stadt Neuss als Großstadt und Oberzentrum im Wettbewerb mit Düsseldorf, Mönchengladbach und Krefeld im Gegensatz zu den ländlich geprägten Kommunen im Rhein-Kreis Neuss. Ausrichtung, Zielsetzungen und Zielgruppen der Stadt Neuss seien mit denen der übrigen Kommunen nicht oder allenfalls bedingt vergleichbar. Weder für die kreisangehörigen Kommunen noch für die Stadt Neuss sehe diese Vorteile in einer gemeinsamen Erarbeitung eines Kulturentwicklungsplanes.

 

Herr Lonnes verwies auf die bereits seit 45 Jahren bestehende, erfolgreiche Kreisgemeinschaft. Er schätze das Kulturangebot der Stadt Neuss sehr, es sollte dabei aber berücksichtigt werden, zu welcher Zeit die Stadt wie leistungsfähig gewesen sei und wie sie von der Kreisgemeinschaft unterstützt werde:

 

In den 1970-iger Jahren seien die Ausstellungsräume des Clemens Sels Museum aufgrund einer konjunkturbedingten Sparmaßnahme vor Baubeginn stark verkleinert worden. Das Treppenhaus hingegen habe seine ursprüngliche Dimension beibehalten, darunter leide das Haus bis heute. Insbesondere fehle es an einer ausreichenden Fläche für Wechselausstellungen. Diese Sparmaßnahme erfolgte als die Stadt Neuss kreisfrei war und in der Landesplanung als Mittelzentrum mit oberzentraler Funktion eingestuft war. Jeder Versuch, den damals gemachten Fehler zu korrigieren, sei Neuss als Großstadt und Oberzentrum bisher nicht gelungen.

 

Auch nutzte die Stadt Neuss nicht ihre Chance, die Schenkung der Jugendstil-Sammlung von Ferdinand Wolfgang Neess anzunehmen. Gerade diese Sammlung hätte die Stadt zumindest deutschlandweit zu einem Zentrum des Jugendstils prosperieren lassen. Diese in der Welt einmalige Sammlung werde nun im Museum Wiesbaden präsentiert.

 

Schließlich zeigten auch die Besucherzahlen des Clemens Sels Museums trotz hervorragender Leistung des Museumsteams nicht, dass die Stadt Neuss als Großstadt und Oberzentrum mit Düsseldorf, Krefeld und Mönchengladbach konkurriere. Die Besucherzahlen des Clemens Sels Museum lagen in 2019 gleichauf mit den Besucherzahlen des Kreismuseums Zons, obwohl das Museum über einen deutlich höheren Etat, mehr Personal und Ausstellungsfläche und eine deutlich größere Sammlung verfüge.

 

Weiterhin existierte das Rheinische Landestheater heute nicht mehr, wenn der Rhein-Kreis Neuss dieses nach der Intendanz von Egmont Elschner 1993 finanziell nicht massiv unterstützt hätte. Auch wäre der Neubau des Theaters ohne den Umzug des Kreises in das Hortenhaus nicht möglich geworden.

 

Das Archiv im Rhein-Kreis Neuss sei von seinem Zuständigkeitsbereich deutlich größer als das Archiv der Stadt Neuss, bei der Qualität der Arbeit habe der Kreis mindestens den hohen Standard des Stadtarchivs erreicht. Ferner habe Herr Dr. Emsbach eine Regionalbibliothek aufgebaut, die sich ebenfalls sehen lassen könne. Diese werde jetzt digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht.

 

Die auf dem Stadtgebiet Neuss befindliche Stiftung Insel Hombroich werde in erster Linie von den Leistungen ihres Gründers, Karl-Heinrich Müller, einem Düsseldorfer, getragen. Stadt und Kreis hätten 1995 zu gleichen Teilen einen Betrag von jeweils 1,5 Mio. DM zugestiftet und den Ausbau der Raketenstation gefördert.

 

Nach seiner Ansicht biete die Erarbeitung des gemeinsamen Kulturentwicklungsplanes mit den Partnern vor Ort eine große Chance für die Stadt Neuss. Es gebe rund 300.000 Bürgerinnen und Bürger an der Stadtgrenze von Neuss, die für die Kultur der Stadt gewonnen werden könnten. Der Rhein-Kreis Neuss werde daher auch auf die Neusser Kultureinrichtungen zugehen und die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Neuss einladen, sich an dem Prozess zu beteiligen.

 

Frau Dr. Flick wies darauf hin, dass sie von der Notwendigkeit des interkommunalen Kulturentwicklungsplanes von Anfang an nicht überzeugt gewesen sei. Kulturinteressierte würden schon jetzt über die Grenzen der Kommunen hinweg entsprechende Angebote wahrnehmen. Sie fragte nach, ob sich die Nichtteilnahme der Stadt Neuss auf die Fördermittel auswirken werde.

 

Herr Lonnes erklärte, dass dies voraussichtlich keinen Einfluss auf die Förderung habe, dies werde jedoch noch abgeklärt.

 

Herr Beyen entschuldigte sich für die überhebliche Wortwahl im Schreiben der Stadt Neuss. Der Kreis sei oft eingesprungen, wenn Unterstützung benötigt worden sei. Die Kultur sollte als Wirtschafts- und Standortfaktor für den gesamten Kreis gesehen werden. Seines Erachtens sollte der Kulturentwicklungsplan gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden. Der Kreis stelle hierfür 50.000 € bereit und erhalte eine Förderung in Höhe von 50.000 €. Die Kommunen müssten sich finanziell nicht beteiligen.

 

Frau Fayaz fragte nach, ob die Verwaltung der Stadt Neuss befugt gewesen sei, diese Entscheidung zu treffen oder ob die Anfrage in den Rat der Stadt Neuss gebracht werden müsste. Herr Lonnes erwiderte, dass die Teilnahme ein Geschäft der laufenden Verwaltung sei, so dass der Bürgermeister über eine Teilnahme selbst entscheiden könne. Allerdings hätte sich der Rat die Entscheidung vorbehalten können. Nach seinem Kenntnisstand plane die Stadt Neuss die Erarbeitung eines eigenen Kulturentwicklungsplanes und werde dafür Mittel in Höhe von 50.000 € im Haushalt 2021 etatisieren und ebenfalls einen Förderantrag beim Land Nordrhein-Westfalen über 50.000 € stellen.

 

Frau Küppers erklärte, dass der Rhein-Kreis Neuss nach außen hin eine Einheit darstellen und für die Bürgerinnen und Bürger da sein solle, die Verwaltung solle dies unterstützen. Eine Einbindung der Neusser Bürgerinnen und Bürger sowie der Neusser Kulturschaffenden sollte in jedem Fall vorgenommen werden. Wichtig sei bei der Erarbeitung auch die Betrachtung des Bereichs der Musik.

 

Frau Buers wies darauf hin, dass das Rheinische Landestheater jährlich seitens des Kreises unterstützt werde. Hierauf sollte nochmals hingewiesen werden. Sie stellt die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Mitgliedsbeitrages, wenn die Stadt Neuss sich nicht an der interkommunalen Kulturentwicklungsplanung beteiligen wolle.  

 

Herr Maassen regte ein persönliches Gespräch mit Vertretern der Stadt Neuss an.

Herr Lonnes wies darauf hin, dass mehrere Gespräche stattgefunden hätten. Bei inhaltlichen Fragen hätte es durchaus Übereinstimmungen gegeben, nicht jedoch bei der systematischen Kulturentwicklung.

 

Herr Radmacher zeigte sich sehr verwundert über die Vorbehalte der Stadt Neuss und stellte fest, dass dies wieder ein Rückschritt in vergangene Zeiten sei. Er plädierte dafür, das Projekt auch ohne die Stadt Neuss durchzuführen, aber die Vertreter weiterhin einzubeziehen. Auch im übrigen Kreisgebiet könne sich das Kulturleben sehen lassen.