Betreff
Antrag der Kreistagsfraktionen von CDU, FDP und UWG vom 01.03.2021 zur Stärkung des Hochschulstandorts Neuss-Grevenbroich
Vorlage
40/0557/XVII/2021
Art
Beschlussvorlage

Beschlussempfehlung:

Der Schul- und Bildungsausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.

Sachverhalt:

Am 09.03.2021 haben die Kreistagsfraktionen von CDU, FDP und UWG/Freie Wähler-Zentrum beantragt zu prüfen, wie der Rhein-Kreis Neuss als Hochschulstandort gestärkt werden kann und ein Budget für den Umsetzungs-/Zeit- und Kostenplan in Höhe von 20.000€ in den Haushalt einzustellen (Anlage).

 

Primäres Ziel im Rheinischen Revier ist die Schaffung von nachhaltigen Arbeitsplätzen. Bereits in den Jahren 2021 und 2022 fallen Arbeitsplätze dem Strukturwandel zum Opfer. Eine Kompensation ist hierfür nicht vorhanden.

 

Die Themen Innovation und Bildung sind zentrale Ansatzpunkte für das Gelingen des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Eine Hochschule zieht weitere Forschungseinrichtungen und innovative, kleinere und mittelständische Unternehmen an, sorgt somit auch für neue Arbeitsplätze.

 

Das Hochschulprojekt soll daher schnellstmöglich in die Wege geleitet werden.

 

Die Kreistagsfraktionen Bündnis 90/Die Grünen erweitern den Antrag folgenermaßen:

 

1.Die Verwaltung erstellt ein Konzept, welche Maßnahmen bis wann zu ergreifen sind, um 

  vorrangig eine öffentliche Hochschule anzusiedeln.

 

2. Es wird die Zusammenarbeit mit bestehenden öffentlichen Hochschulen aus der Region

   geprüft.

 

3. Die Gestaltungsverantwortung dieses Prozesses soll beim Schul-und Bildungsausschuss

    liegen.

 

4. Für den Umsetzungs-/Zeit- und Kostenplan sollen 20.000€ in den Haushalt eingestellt werden.

 

In der Sitzung des Finanzausschusses vom 11.03.2021 wurden diese Punkte einstimmig beschlossen (FI/20210311/Ö6).

 

 

Mit seinen mehr als 450.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, den insbesondere in der Kreisstadt Neuss hervorragenden Verkehrsanbindungen und den zahlreichen Unternehmen mit ihren Europa- und Deutschland-Zentralen bietet der Rhein-Kreis Neuss ideale Bedingungen als Hochschulstandort.

Dafür sprechen auch die hochqualifizierten Kräfte, ein gesunder Branchenmix mit zahlreichen mittelständigen Unternehmen und mit seinem Wirtschaftswachstum.

 

A.           Initiativen Hochschulstandort

 

In der Vergangenheit gab es bereits verschiedene Initiativen, den Rhein-Kreis Neuss als Hochschulstandort auszubauen. So hat der Rhein-Kreis Neuss im Rahmen der Landesinitiative zur Errichtung neuer Hochschulstandorte im Jahr 2008 eine Bewerbung der Hochschule Niederrhein um die Einrichtung von technischen Studiengängen im Bereich der Energiewirtschaft und der Lebensmitteltechnologie unterstützt. Die Studiengänge sollten in Neuss angesiedelt werden. Leider wurde die von der Hochschule Niederrhein mit Unterstützung des Rhein-Kreises Neuss abgegebene Bewerbung trotz hoher Anerkennung des Konzeptes von der vom Land eingesetzten Jury nicht berücksichtigt, da andere regionale Schwerpunkte gesetzt wurden.

Im Jahr 2015 wurde die damalige Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, Frau Svenja Schulze, angeschrieben und ausdrücklich die Bereitschaft des Rhein-Kreises Neuss betont, der Landesregierung jede Hilfe anzubieten und sie bei der Suche nach einem Standort sowie bei den erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen für eine staatliche Fachhochschule zu unterstützen und dabei zu helfen, sowohl die Hochschule als auch ihre Mitglieder in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben im Rhein-Kreis Neuss einzugliedern.

Gleichzeitig wurde Frau Schulze angefragt, ob sich für den Standort Rhein-Kreis Neuss Chancen für die Errichtung einer staatlichen Fachhochschule oder den Ausbau eines Hochschulverbundes zwischenzeitlich ergeben haben. In ihrer Antwort wies Frau Ministerin Schulze darauf hin, dass sie die wirtschaftliche Bedeutung, die besondere Standortqualität und die hervorragende Verkehrsanbindung des Rhein-Kreises Neuss nicht in Frage stelle. Der Rhein-Kreis Neuss profitiere jedoch davon, dass er in direkter Nachbarschaft an seinen Kreisgrenzen von vielen exzellenten Universitäten und Fachhochschulen umgeben sei. Es sei kein weiterer Ausbau der Hochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen geplant, da das Land  über die dichteste Hochschullandschaft Europas verfüge und zuletzt 2009 vier neue Fachhochschulen und acht neue Standorte und Studienorte an bestehenden Fachhochschulen geschaffen habe.

Leider haben die bisherigen Initiativen nicht dazu geführt, den Rhein-Kreis Neuss als Hochschulstandort zu etablieren.

 

B.           Studienangebote und Kooperationen

 

Zurzeit gibt es im Rhein-Kreis Neuss folgende Studienangebote:

1.    FOM – Hochschule für Oekonomie und Management

2.    Europäische Fachhochschule – EUFH Studienort Neuss

3.    Rheinische Fachhochschule Köln – Standort Neuss

4.    Fernuniversität in Hagen mit dem Regionalzentrum in Neuss

5.    Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe im Rhein-Kreis Neuss

Das Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe im Rhein-Kreis Neuss bietet in Zusammenarbeit mit der Hochschule Niederrhein ein Duales Studium zum „Bachelor of Science Pflege“ an.

6.    medicoreha/Dr. Welsink Akademie
Die medicoreha bietet in Zusammenarbeit mit der Rheinischen Fachhochschule Köln  den Studiengang Physiotherapie Bachelor of Science an.

Daneben gibt es verschiedenste Kooperationen der Berufskollegs.

Das Berufskolleg Weingartstraße kooperiert für die Absolventen der Fachschule für Wirtschaft mit der EUFH in Neuss, Studiengang General Management mit dem Abschluss Bachelor of Arts, außerdem mit der Wilhelm-Büchner-Hochschule, Pfungstadt bei Darmstadt für ein Fernstudium im Studiengang technische Betriebswirtschaft mit dem Abschluss Bachelor of Science.

Für die Studenten mit Fachhochschulreife bzw. Allgemeiner Hochschulreife kooperiert das BBZ Weingartstraße mit der Hochschule Fontys – Fontys Internationale Hochschool-Econemy- in Venlo, mit der FOM – Hochschule für Oekonomie und Management - sowie mit der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Das BBZ Hammfeld kooperiert mit der Fachhochschule Jülich der RWTH Aachen im Rahmen des Energielabors, mit der FOM, der EUFH und der Hochschule Düsseldorf im Rahmen der informationstechnischen Assistenten – Fachrichtung Informatik.

Das BBZ Dormagen hat eine Kooperation mit der privaten Hochschule Göttingen im Rahmen der Abschlüsse BWL und Wirtschaftspsychologie sowie mit der FOM – Hochschule für Oekonomie und Management. Außerdem arbeitet das BBZ Dormagen im Bereich des Dualen Studiums ohne offiziellen Kooperationsvertrag mit der EUFH im Bereich Kaufleute für Spedition und Logistik Dienstleistung zusammen.

Das BBZ Grevenbroich hat eine Kooperation mit der Hochschule Niederrhein, der Rheinischen Fachhochschule Neuss, der Fontys Venlo University of Applied Sciences und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

 

C.           Aktuelle Initiativen

 

1.           Launch-Center

Der Rhein-Kreis Neuss ist außerdem Kooperationspartner eines Antrags der Hochschule Niederrhein an das Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Zukunftsagentur Rheinisches Revier ein Launch- Center für die Lebensmittelwirtschaft zu errichten.

Das Launch Center ist konzipiert für die gemeinsame Entwicklungsforschung, sowie Technologie- und Wissenstransfer zwischen angewandter Wissenschaft und Wirtschaft unter einem Dach. Das Launch-Center für die Lebensmittelwirtschaft bildet einen Innovationskern im Rheinischen Revier, lokal verordnet im Rhein-Kreis Neuss, für gemeinsame Entwicklungsforschung von Wissenschaft und Wirtschaft unter einem Dach in unmittelbarer Nähe zu den Lebensmittelbetrieben insbesondere im nördlichen Revier. Es deckt den gesamten Bereich der Verarbeitung schwerpunktmäßig pflanzlicher Rohstoffe und alternativer Proteine entlang der Lebensmittelproduktionskette bis hin zur qualitäts-, sicherheits– und lebensmittelrechtlichen sowie gesundheitlichen Bewertung ab.

Es soll sich beschäftigen mit der Produkt- und Prozessentwicklung der Lebensmittelbiotechnologie, der Lebensmittellogistik, sowie der begleitenden Analytik. Akteure im Launch-Center für die Lebensmittelwirtschaft sind die Hochschule Niederrhein als Hochschule für angewandte Wissenschaft in Kooperation mit dem kommunalen Projekt Partner Rhein-Kreis Neuss, unterstützt von einer leistungsstarken und breit gefächerten Lebensmittelindustrie im Rheinischen Revier weiterer Akteure wie der Wirtschaftsfördergemeinschaft Mönchengladbach, der IHK-Mittlerer Niederrhein und der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Das Projekt hat den 3. Stern vom Aufsichtsrat der Zukunftsagentur Rheinisches Revier als „Zukunftsprojekt des Strukturwandels im Rheinischen Revier“ erhalten. Der Förderantrag im Rahmen des STARK-Programms ist beim BAFA eingereicht.

 

2.           Anschreiben an Frau Pfeiffer-Poensgen

Bezugnehmend auf die Initiative im Jahr 2015 wurde Frau Ministerin Pfeiffer-Poensgen angeschrieben und um Auskunft gebeten, welche Chance der Rhein-Kreis Neuss aktuell als Standort einer staatlichen Fachhochschule oder einer Hochschule habe.

 

 

 

 

 

 

3.           Initiative der Stadt Grevenbroich

 

Der Presse war zu entnehmen, dass die Stadt Grevenbroich sich am Förderaufruf der Zukunftsregion Rheinisches Revier beteiligt hat. Eine Projektidee war auf dem Kraftwerksgelände in Frimmersdorf eine Hochschule aus dem Bereich „Cyber- und Software – Sicherheit anzusiedeln. Eine Aufnahme des Lehrbetriebs sollte im Wintersemester 2020/21 zunächst auf der Stadtparkinsel erfolgen. Im ersten Anlauf gab es keine Empfehlung der Zukunftsagentur Rheinisches Revier. Die Stadt Grevenbroich wurde gebeten, den aktuellen Sachstand mitzuteilen.

 

4.      Initiative des SPD-Kreisvorsitzenden Daniel Rinkert

 

Außerdem gab es eine Pressemitteilung, dass der SPD-Kreisvorsitzende, Daniel Rinkert, die Top- Universitäten Harvard und Yale abhängen und eine Hochschule im Rhein-Kreis Neuss bauen wolle, die neue Maßstäbe setzt. Nach seinen Vorstellungen solle die Bundesregierung hierfür jährlich 8 Milliarden zur Verfügung stellen.

Der Rhein-Kreis Neuss verfüge mit dem 120 ha großen ehemaligen Kraftwerkstandort Frimmersdorf über den notwendigen Platz für einen Ausbau dieser Größenordnung.

Auch hier wurde Herr Rinkert nach dem Sachstand gefragt.