Betreff
Kreisentwicklungskonzept: Präsentation des Kataster- und Vermessungswesens im Rhein-Kreis Neuss
Vorlage
V/0404/XV/2010
Art
Beschlussvorlage
Referenzvorlage
Untergeordnete Vorlage(n)

Beschlussempfehlung:

Der Kreisausschuss des Rhein-Kreises Neuss stimmt der Durchführung der Ausstellung zum Kataster- und Vermessungswesen im Rhein-Kreis Neuss zu.

 

Sachverhalt:

1. Allgemeines

Das Kataster- und Vermessungswesen ist eine Kulturtechnik, die mit der Sesshaftwerdung des Menschen entwickelt worden ist. Bis dahin gab es für den Raum zwar natürliche aber keine rechtlichen Grenzen. Nur die Wohngebiete um Höhlen, Hütten und Zelte waren dem Einzelnen, den Familien und den Familienverbänden vorbehalten.

 

Als der Mensch sesshaft wurde, sich auf dem offenen Land zu Rechtsgemeinschaften zusammenschloss und sich vor allem an Flüssen, Berghängen und Tälern niederließ, wurde tausende Jahren vor unserer Zeitrechnung das Längenmaß als Naturmaß erfunden und der für die Wohnsiedlung erforderliche Raum mit Hilfe von geometrischen Figuren rechtlich abgegrenzt. Hierzu diente den Menschen die standardisierten körperlichen Längenmaße Fuß, Elle und Schritt als Maßeinheiten. In Mesopotanien entstand der Beruf des Geometers, dem es nach heutiger Kenntnis in der Geschichte der Menschheit erstmals gelang, Geländepunkte für die Vermessung eines Raumes festzulegen.

 

Die Grundlage der Vermessung des heutigen Raumes des Rhein-Kreises Neuss liegt im Aufbau des Katasterwesens unter Napoleon, der mit der Inventarisierung aller Grundstücke vorhatte, die Basis für die Erhebung einer Grundsteuer geschaffen. Hierzu wurde der Raum des heutigen Rhein-Kreises Neuss 1794, insbesondere von 1803 bis 1813, vermessen und kartographiert.

 

Dieses Kataster wurde 1815 von den Preußen übernommen und verfeinert. Seit 1810 besteht das Liegenschaftskataster für den heutigen Raum des Rhein-Kreises Neuss aus der Katasterkarte und dem Liegenschaftsbuch, bzw. ihren Vorgängern. Heute sind 238.127 Flurstücke in 1.078 Fluren und 56 Gemarkungen im Liegenschaftskataster des Rhein-Kreises Neuss inventarisiert. Mit Einführung der Grundbuchordnung zum 01.01.1900 werden darüber hinaus die Eigentumsverhältnisse an den im Kataster geführten Grundstücke in der Zuständigkeit des Amtsgerichtes angezeigt.

 

Neben der katastermäßigen Erfassung der Liegenschaften ist das heutige Kreisgebiet topographisch von dem Franzosen Jean Joseph Tranchot kartographiert worden. Insbesondere verlangte die französische Armee Kartenmaterial, um militärische Operationen im Rheinland und vom Rheinland aus vornehmen zu können. Erstmals gelang es Tranchot die Topographie eines Raumes nach trigonometrischen Punkten und Festpunktfeldern sowie Raum- und Höhenpunkten festzulegen. Diese Technik hat bis heute ihre Gültigkeit bewahrt.

 

Der Rhein-Kreis Neuss ist in der glücklichen Lage, dass die historische Kartographierung des Liegenschaftskatasters für das heutige Gebiet des Rhein-Kreises Neuss fast vollständig erhalten geblieben ist. Diese Katasterkarten werden seit 1998 restauriert. Die Restaurierung wird voraussichtlich noch einige Jahre fortgesetzt werden. Darüber hinaus ist das Landesvermessungsamt Eigentümerin der für das Gebiet des Rhein-Kreises Neuss erstellten topographischen Karten von Tranchot.

 

Die Entwicklung des Kataster- und Vermessungswesen ist jedoch seit dem 19. Jahrhundert nicht stehen geblieben. Seit 1990 werden das Liegenschaftskataster und das Liegenschaftsbuch für die Grundstücke im Rhein-Kreis Neuss im Wege einer elektronischen Datenverarbeitung geführt. Bis zum 31. Dezember 2010 werden diese Daten in der einheitlichen Datei „ALKIS - Automatisches Liegenschafts- und Katasterinformationssystem“ zusammengefasst.

 

Weiterhin baut der Rhein-Kreis Neuss in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt Düsseldorf und der ITK Rheinland eine Geodateninfrastruktur (GDI) auf. Mit Hilfe eines solchen Systems können Geodaten mit anderen, nicht personenbezogenen Daten in Verbindung gebracht und ortsbezogen dargestellt werden, um für die Entwicklung eine Gebietskörperschaft bis hin zu einzelnen Stadtteilen und Dorfgemeinschaften Aussagen treffen zu können. Diese können sich auf die Sozialstruktur der Bevölkerung, aber auch auf Bereiche wie die Wirtschaftsförderung (z.B. Gewerbeflächen und -mietspiegel), dem Wohnen, dem Jugend- und Schul- sowie dem Gesundheitswesen, beziehen.

 

Das Land Nordrhein-Westfalen hat 1948 mit der ersten Kommunalisierung von Landesaufgaben diese Aufgaben des Katasterwesens auf die kreisfreien Städte und die Kreise übertragen. Das Liegenschaftskataster für die Grundstücke im Rhein-Kreis Neuss wird seit 1948 für den Raum des ehemaligen Kreises Grevenbroich und seit 1975 für den gesamten Rhein-Kreis Neuss von der Kreisverwaltung geführt.

 

Der Rhein-Kreis Neuss ist für die Vermessung der Liegenschaften kraft Gesetzes zuständig, soweit die Ergebnisse in das Kataster aufgenommen werden. Die Aufgaben des Vermessungswesens im Rhein-Kreis Neuss werden entweder durch das Kataster- und Vermessungsamt selbst oder durch öffentlich bestellte Vermessungsingenieure wahrgenommen, wobei die Übernahme der Vermessungsergebnisse erst nach Prüfung des Rhein-Kreises Neuss erfolgen kann. Für die Stadt Meerbusch werden diese Aufgaben im Wege der Teilabordnung eines Mitarbeiters des Rhein-Kreises Neuss wahrgenommen.

 

Die Stadt Neuss nimmt die Katastervermessungen und Abmarkungen zur Erfüllung eigener Aufgaben selbst wahr und beschäftigt hierzu Beamte des höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienstes (§ 1 Abs. 3 S. 2 VermKatG). Soweit die Ergebnisse der Stadt Neuss in das Kataster übernommen werden sollen, bedarf es ebenfalls einer Prüfung durch den Rhein-Kreis Neuss.

 

Für das gesamte Kreisgebiet, ohne die Stadt Neuss, ist der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Rhein-Kreis Neuss ohne die Stadt Neuss als eigenständige Behörde zuständig. Darüber hinaus gibt es zur Festsetzung der Grundstückswerte in der Stadt Neuss einen eigenen Gutachterausschuss.

 

Das Amt für Kataster- und Vermessungswesen ist mit über 50.000 Bürgerkontakten im Jahr eines der publikumswirksamsten Ämter des Rhein-Kreises Neuss. Die Dienstleistung des Amtes wird insbesondere benötigt für die Erteilung von Baugenehmigungen, die Klärung von Grenzstreitigkeiten, die Einmessung von neu entstandenen Gebäuden und Gebäudeteilen sowie für die Umlegung und die Flurbereinigung. Mit der Geodateninfrastruktur soll darüber hinaus den Bürgerinnen und Bürgern zu den bestehenden Geodaten zusätzliche Informationen im Internet zukünftig zur Verfügung gestellt werden.

 

Um den Bürgerinnen und Bürgern die Bedeutung des Kataster- und Vermessungswesens als Dienstleistung der Kreisbehörde zu verdeutlichen, Einwohner und Kommunen im Rhein-Kreis Neuss über die Möglichkeit der Nutzung von Geodaten zu informieren sowie das historische Kartenmaterial auszustellen, schlägt die Verwaltung vor, in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Düsseldorf, Abteilung Design, eine Ausstellung zum Kataster- und Vermessungswesen im Rhein-Kreis Neuss von 1794 bis heute durchzuführen. Im Einzelnen ist hierzu auf folgendes zu verweisen:

 

2. Ausstellungsgegenstände

Ausgestellt werden soll die historische Entwicklung des Kataster- und Vermessungswesens für das Gebiet des heutigen Rhein-Kreises Neuss im Vergleich zu den heutigen Entwicklungsstrukturen. Darüber hinaus sollen die kulturellen Aspekte der Vermessungstechnik in ihren wissenschaftlichen Bezügen zur Geometrie dargestellt werden. Insbesondere soll den Besuchern die Möglichkeit eingeräumt werden, anhand der klassischen Methoden im Vergleich zur satellitengestützten Koordinierung kleine Vermessungen vornehmen zu können. Weiterhin sollen den Besuchern anhand von Luftbildaufnahmen des Rhein-Kreises Neuss ein Eindruck über die Topographie und die Nutzung des Raumes sowie deren Vermessung aufgezeigt werden. Darüber hinaus soll dem Besucher anhand des automatisierten Liegenschafts-Informationssystems und dem Geodateninformations-System die Dienstleistung des Kataster- und Vermessungswesens erläutert werden. Schließlich sollen Kooperationsmöglichkeiten mit den Städten und Gemeinden angesprochen werden.

 

Die Ausstellung soll als Wanderausstellung konzipiert werden, die in allen Städten und Gemeinden des Rhein-Kreises Neuss gezeigt werden kann und deren Ausstellungsstücke auf die spezifischen Belange der kommunalen Gebietskörperschaften Rücksicht nehmen.

 

3. Kooperation

Als Kooperationspartner soll die Fachhochschule Düsseldorf mit dem Fachbereich Design akquiriert werden. Hierzu sind Gespräche mit Prof. Harry Vetter geführt worden, der einen Lehrstuhl der Fachhochschule für Ausstellungsdesign innehält. Vorgesehen ist, dass die Ausstellungskonzeption als Semesterarbeit für Masterstudenten im Sommersemester 2010 vergeben wird. Hierzu soll mit der Fachhochschule Düsseldorf eine Drittmittelvereinbarung abgeschlossen werden. Vom Fachamt ist hierzu bereits eine Materialsammlung erarbeitet worden. Derzeit wird eine Liste der Exponate mit den klimatischen und bildtechnischen Anforderungen gestellt.

 

4. Weitere Partner

Weitere Partner für die Ausstellung werden das Landesvermessungsamt mit Sitz in Bonn, Bad-Godesberg (heute RP-Köln, Abteilung 7) sowie der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. aus Dortmund sein. Darüber hinaus soll die Ausstellung in Zusammenarbeit mit den interessierten Städten und Gemeinden aus dem Rhein-Kreis Neuss erarbeitet werden.

 

5. Pädagogisches Konzept

Für die Ausstellung wird ein pädagogisches Konzept erarbeitet werden. Angesprochen werden sollen insbesondere Schulen der Primarstufe und der Sekundarstufe I, aber auch Einrichtungen der Elementarbildung. In der Primarstufe ist insbesondere das Messen, in der Sekundarstufe I das Berechnen von Flächen anhand der geometrischen Figuren, Kreise, Dreiecke und Vierecke sowie die Anwendung Trigonometrie zur Berechnung von Flächen Lehrstoff. Hierzu ist beabsichtigt, mit einem Lehrstuhl für Mathematik Didaktik Unterrichtsmaterialien zu erarbeiten. Mit dem Besuch der Ausstellung kann das Messen in der Realität erfolgen, in der Nachbereitung der Ausstellung können hierzu die entsprechenden Rechenbeispiele vollzogen werden. Hierzu sollen mit der Ausstellung Unterrichtsmaterialien erarbeitet werden.

 

6. Ausstellungsdauer

Vorgesehen ist, dass die Ausstellung erstmalig im Jahr 2011 eröffnet wird und für etwa 2 bis 3 Jahre als Wanderausstellung in den Städten und Gemeinden des Rhein-Kreises Neuss gezeigt werden kann. Die Ausstellung wird so konzipiert, dass sie in allgemein zugänglichen Räumen wie Rathäusern, Kreismuseen, Schulen etc. gezeigt werden kann.

 

7. Zeitplan

Für das Jahr 2010 ist die Erarbeitung der Ausstellungskonzeption einschließlich einer Kostenermittlung vorgesehen. Für das Jahr 2011 soll die Ausstellung umgesetzt werden.

 

8. Kosten

Die Kosten für die Ausstellungskonzeption betragen im Wege der Drittmittelfinanzierung für die Fachhochschule Düsseldorf 3.000 EURO.

 

Derzeit aquiriert das Fachamt Sponsoren für die Finanzierung von Ausstellungsmaterialien.

 

Die Finanzierung der Ausstellungskonzeption kann wie folgt gesichert werden:

 

Haushaltsstelle: 5431004      Heimatkundliche Publikation und

                                      Förderung kultureller Aktivitäten        3.000 €