Betreff
Strukturwandel, Braunkohlenplanung und Energiewirtschaft
Berichtszeitraum: Juni - August 2025
Vorlage
61/6416/XVII/2025
Art
Bericht

Beschlussvorschlag:

Der Kreisausschuss berät die Vorlage der Verwaltung und nimmt diese zur Kenntnis.


Sachverhalt:

1.    Strukturwandel

1.1         Projekt - Launchcenter für die Lebensmittelwirtschaft

Das LCL wird von Hochschule Niederrhein und Rhein-Kreis Neuss getragen und zielt auf Innovationen in der Lebensmittelindustrie. Das LCL bietet eine Plattform, um Wissen und Technologien der Hochschule Niederrhein und weiterer Forschungseinrichtungen für Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft im Rhein-Kreis Neuss und im gesamten Rheinischen Revier nutzbar zu machen.

Die geförderten Stellen im Rhein-Kreis Neuss sind seit dem 01.09. besetzt. Zu diesen zählen die stellv. Projektleitung (Start Juni 2025), Projektmanagerin Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit (Start August 2025) und Projektassistenz (Start September 2025). Zur Besetzung der Stellen konnten Mitarbeiterinnen mit entsprechenden Expertisen in den Bereichen Agrar- und Lebensmittelwissenschaft gewonnen werden.

Zurzeit wird intensiv an der Geschäfts- und Organisationsplanung sowie dem Management und Betrieb des LCL gearbeitet. Seit Juni werden Renovierungsarbeiten, vor allem in den geplanten Büroräumen durchgeführt, welche voraussichtlich im September 2025 durch das Projektteam bezogen werden. In Bezug auf den Umbau des Erdgeschosses werden aktuell die technischen Planungen zu Elektro- und Sanitärinstallationen sowie zur Ausstattung und Aufbau des Technikums mit Hochdruck vorangetrieben. Gemeinsam erarbeiten RKN und Hochschule darüber hinaus aktuell Schwerpunkte des LCL- Angebots in der Hochlaufphase und für das Jahr 2026.

Neben diesen Entwicklungen erfolgte im Juli innerhalb von Workshops die Erarbeitung der Markenwerte. Basierend darauf werden weiterführenden Arbeiten zur Namensfindung sowie zur Erstellung von öffentlichkeits- und marketingwirksamen Maßnahmen, wie z. B. Logo und Homepage, durchgeführt.

1.2         Projekt - Tourismus vor dem Hintergrund des Strukturwandels im Rhein-Kreis Neuss

Im Rahmen des Strukturwandel-Förderprogramms „REVIER.GESTALTEN - Tourismus“ wurde aus dem Rhein-Kreis Neuss durch ZS6 eine Projektskizze eingereicht, welche die touristische Nutzung der Rheinwassertransportleitung vorsieht.

Das Konzept dieses Projektansatzes mit dem Titel „Rhein ins Revier“ wurde durch die Zukunftsagentur Rheinisches Revier, dem MWIKE, PTJ und der Bezirksregierung Köln als äußerst attraktiv bewertet, insbesondere die interkommunale Aufstellung sowie kreisübergreifende Wirkung explizit hervorgehoben. Das Einreichen von anknüpfenden Projekten zu dem Projekt „Rhein ins Revier“ für die anstehenden Förderaufrufe wurden explizit begrüßt.

Aktuell wird das übergeordnete touristische Konzept weiter geschärft. Der Anspruch den Wandel für die nächsten Jahrzehnte touristisch nutzbar zu erschließen, damit die Vorzüge der Region im Wandel einer breiten überregionalen Öffentlichkeit näherzubringen und die Region als neue touristische Destination mit einzigartigen Stärken zu etablieren stehen dabei im Fokus. Der Rhein-Kreis Neuss soll damit als ein wesentlicher touristischer Treiber und Anziehungspunkt im Rheinischen Revier hervorgehoben werden.

Der Blick auf die industrielle Historie steht dabei ebenso im Fokus, wie der Blick in eine nachhaltige, wirtschaftsstarke Zukunft mit neuen touristischen Räumen.

Aktuell arbeitet ZS6 gemeinsam mit der Stadt Grevenbroich, der Stadt Dormagen, der Gemeinde Rommerskirchen, der Zukunftsagentur Rheinisches Revier und der Agentur erlebnisplan intensiv daran den Ansatz und die Projektskizze in Richtung eines Förderantrags weiterzuqualifizieren.

1.3         Potenzialstudie zur Ansiedlung von Unternehmen aus der Halbleiterindustrie im Rhein-Kreis Neuss - Fokus Quantentechnologie

Das Vorhaben zur Ansiedlung der Halbleiterindustrie im Rhein-Kreis Neuss bettet sich nahtlos in die aktuellen strategischen Entwicklungen des Rheinischen Reviers mit Blick auf die Digitalwirtschaft ein. Während diese Ansätze bislang schwerpunktmäßig das Ziel verfolgen, digitale Technologien, Anwendungen und Infrastrukturen anzusiedeln (Von der Kohle zur KI), kann ein Halbleiter-Hub als Treiber für die Ansiedlung von Hardwaretechnologien bis hin zur Produktion fungieren. Hier gilt der Zusammenhang: Ohne Chips keine Digitalisierung.

Zudem machen Halbleiter die aktuellen Entwicklungen im Bereich der KI (Künstliche Intelligenz) erst möglich. Beide Technologiefelder sind somit untrennbar miteinander verbunden - die Ansiedlung der Halbleiterindustrie in der Region scheint daher geradezu der nächste logische Schritt im Strukturwandel des Rheinischen Reviers zu sein.

In der Gesamtschau der Halbleiter-Potenzialstudie, sowie der durchgeführten Trendanalyse zu Quantentechnologien, die Profiteur von Entwicklungen in der Halbleiterindustrie sind, lässt sich zusammenfassen, dass der Rhein-Kreis Neuss über eine ausgesprochen gute Ausgangssituation verfügt.

Hier setzt die erweiterte Betrachtung mit dem Fokus auf Quantentechnologien an:

In der möglichen Spezialisierung des Halbleiter-Clusters auf Quantentechnologien wird eine große Chance gesehen, das Interesse (internationaler) Investoren zu wecken und damit die Realisierungspotenziale des Gesamtvorhabens zur Ansiedlung eines Clusters deutlich zu erhöhen.

Die regionale Gesamtentwicklung wird dabei durch die strategische Ausrichtung des Rheinischen Reviers als „Digital- und Quantenregion“ maßgeblich unterstützt. Diese vorteilhaften Zusammenhänge gilt es in weiterführenden Prozessen, die durch ZS6 geführt und verstetigt werden, zielgruppen- und bedarfsgerecht näher zu betrachten.

1.4         Revierbahn-West

Der Strukturwandel im Rheinischen Revier eröffnet neue Chancen für eine zukunftsfähige Mobilität. Mit einer Raumanalyse und anschließender Machbarkeitsstudie zur Revierbahn West prüft go.Rheinland gemeinsam mit den beauftragten Gutachtern, Kommunen und zentralen Akteuren der Region die Grundlagen für ein leistungsfähiges, klimafreundliches Schienennetz.

Eine Auftakt- und Informationsveranstaltung zur Revierbahn West fand am 08.07.2025 im großen Sitzungssaal des Rhein-Erft-Kreises in Bergheim statt.

Die Machbarkeitsstudie (Umsetzungszeitraum 2025 - 2027) verfolgt folgende Ziele:

·        Prüfen der Realisierbarkeit einer Schienenverbindung in der Achse Aachen-Jülich-Erftachse durch das Rheinische Revier in zweigleisiger, elektrifizierter und barrierefreier Form

·         Ermitteln einer besseren Erschließung bestehender und geplanter Siedlungsbereiche sowie Industrie- und Gewerbeflächenpotenziale im Rheinischen Revier und Anbindung an die Metropolen, Köln, Düsseldorf und Aachen

·        Es wird untersucht, wie die Netzwirkung durch eine bestmögliche Verknüpfung, Erhöhung der Taktung, Einrichtung neuer und Attraktivierung vorhandener Haltepunkte verbessert werden kann.

  1. Braunkohlenplanung

A.     Aktuelle Termine

1.     Braunkohlenausschuss

Die 176. Sitzung des Braunkohlenausschusses bei der Bezirksregierung Köln findet am 26.09.2025 statt. Der Braunkohlenausschuss wird sich u. a. mit dem Braunkohlenplanänderungsverfahren des „Braunkohlenplans Garzweiler II, für das aufgrund des vereinbarten Kohleausstiegs geänderte Tagebauvorhabens befassen. Weiterhin ist ein Bericht der Steuerungs- und Koordinierungsgruppe Rheinisches Revier zum Wasserwirtschaftlichen Gesamtkonzept vorgesehen. Über den Verlauf der Sitzung wird dem Kreisausschuss im Rahmen der regelmäßigen Berichterstattung berichtet werden.

  1. Energiewirtschaft

3.1      H2-Leitungssystem Rommerskirchen(Hoeningen)-Wesseling

Im Oktober 2024 hat die Bundesnetzagentur das Wasserstoff-Kernnetz genehmigt und die Fernleitungsnetzbetreiber damit beauftragt, die deutschlandweite Infrastruktur für den Wasserstofftransport bereitzustellen.

Die Erdgasfernleitungen im Rhein-Kreis Neuss werden durch Thyssengas GmbH und Open Grid Europe GmbH (OGE) betrieben. Die Gasverteilung zu den Abnehmern findet über die Verteilnetze der Verteilnetzbetreiber statt.

Nach der erfolgten Zustimmung der Bundesnetzagentur (BNetzA) zum Antrag der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB) soll das Wasserstoffkernnetz ab Ende 2032 bzw. spätestens ab Ende 2037 in Deutschland betriebsbereit sein. Im Rhein-Kreis Neuss wird mit einer Umstellung von drei existierenden Leitungen bis Ende 2030 geplant (H2ercules: St. Hubert - Glehn, H2ercules: Glehn - Voigtslach, Glehn-Bergheim: Glehn - Bergheim), die Neubauleitung (Delta-Rhine-Corridor (DRC): Glehn - Ludwigshafen) soll bis Ende 2032 fertiggestellt werden.

Zusätzlich zu dem Wasserstoffkernnetz ist eine Versorgungsleitung zum Gaskraftwerk Fortuna am Standort Lausward in Düsseldorf geplant. Diese wird nach dem aktuellen Planungsstand entlang bestehender Erdgasleitungen durch den Neusser Hafen verlaufen. Das Kernnetz verläuft mittig durch den Rhein-Kreis Neuss und teilt sich in Glehn nochmal in Richtung Osten nach Dormagen und weiter nach Süden auf.

Mit dem Projekt Rommerskirchen (Hoeningen)-Wesseling soll das Rheinland an das entstehende Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden. Hierzu werden bestehende Erdgas-Leitungen umgerüstet und durch Neubau-Abschnitte miteinander verbunden, sodass ein rund 50 Kilometer langes H2-Leitungssystem entsteht. Um die sichere Erdgasversorgung der Region auch während des Übergangs zur Wasserstoffnutzung zu gewährleisten, wird zusätzlich eine neue Erdgas-Leitung von Hoeningen (Rommerskirchen) nach Oberaußem (Bergheim) gebaut. Diese wird von Beginn an „H2-ready“ geplant, um perspektivisch auch Wasserstoff transportieren zu können.

Im Vorfeld eines anstehenden Planverfahrens werden derzeit durch das Unternehmen Thyssengas die umweltfachlichen Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren erstellt.