Betreff
Modellprojekt: Präventive Hausbesuche im Rhein-Kreis Neuss
Vorlage
53/2144/XV/2012
Art
Beschlussvorlage

Beschlussempfehlung:

Der Beschluss ergibt sich aus dem Diskussionsablauf. Bei grundsätzlichem Einvernehmen beschließt der Sozial-  und Gesundheitsausschuss:


Die Verwaltung wird gebeten, die Projektkosten auf die sogenannte Wunschliste für das Haushaltsjahr 2013 zu setzen.

Sachverhalt:

Lernen von der Zukunftsinitiative Siegen-Wittgenstein 2020

 

Seit 2006 engagiert sich der Rhein-Kreis Neuss auf dem Gebiet der Gesundheitsförderung im Alter. Hintergrund ist eine zunehmende Verschiebung der Bevölkerungsstruktur in Richtung Alter mit den damit verbundenen Herausforderungen. Um das System langfristig finanzierbar zu halten, bedarf es der Erschließung präventiver Potenziale im Alter.

 

Projekte zur Sturzprävention sowie zur Optimierung von Zahngesundheit und Mundhygiene wurden seitdem auf den Weg gebracht. 2010 wurde schließlich das Aktionsprogramm „Gesundheitsförderung im Alter“ vom Sozial- und Gesundheitsausschuss und von der Gesundheitskonferenz verabschiedet. Dieses Aktionsprogramm sieht u.a. als eine Handlungsoption die Umsetzung präventiver Hausbesuche vor. Das Gesundheitsamt hat jetzt mit Unterstützung durch den Arbeitskreis „Gesundheitsförderung im Alter“ ein Umsetzungskonzept erarbeitet. Dieses Konzept ist als Anlage beigefügt.

 

Bei der Entwicklung dieses Projektes standen und stehen andere Konzepte in Deutschland Pate. Als besonders vorbildlich wurde in diesem Zusammenhang der Kreis Siegen-Wittgenstein identifiziert. Dort wurde im Jahr 2004 die Zukunftsinitiative Siegen-Wittgenstein 2020 beschlossen, was u.a. mit einem symbolischen Heimstopp einherging. Ziel war und ist es dort, ältere Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. Sofern Unterstützungen erforderlich werden, sollen diese primär ambulant geleistet werden.

 

Helmut Kneppe – Sozialdezernent des Kreises Siegen-Wittgenstein – hat das Vorhaben von Beginn an begleitet. Er wird das Konzept und die Ergebnisse ausführlich vorstellen.

 

Im Anschluss daran wird zu überlegen sein, ob und inwieweit das Modul „präventiver Hausbesuch“ sinnvoll in die Altenhilfe-Strategie des Rhein-Kreises Neuss integriert werden kann.

 

Wesentliche Merkmale des bereits erarbeiteten Konzeptentwurfes sind folgende:

 

Strukturen/Abläufe:

-           Mit dem Konzept präventiver Hausbesuche werden keine neuen Strukturen geschaffen. Dieses Modul der aufsuchenden Altenhilfe wird alle vorhandenen Beratungs- und Hilfsstrukturen nutzen und ggf. ergänzen.

-           Bereits existierende Beratungsstellen im Stadtteil (oder ähnliche Einrichtungen) koordinieren die präventiven Hausbesuche (dafür müssen Finanzressourcen zur Verfügung gestellt werden – siehe Konzeptentwurf).

-           Fachkräfte führen Erstbesuche durch, zuvor Ankündigung durch städtisches Anschreiben (mit Bild der Besuchsperson). Danach wird der Bedarf ermittelt und anbieterneutral auf die Beratungs- und Hilfsangebote verwiesen.

 

Ziele

-           Die Selbstständigkeit älterer Menschen wird erhalten und somit der Verbleib in der gewohnten häuslichen Umgebung möglichst lange ermöglicht.

-           Soziale Teilhabe findet (wieder) statt.

-           Die örtliche Vernetzung der Hilfsstrukturen wird optimiert (sofern möglich).

-           Hilfen sind bekannt und werden bei Bedarf in Anspruch genommen (z.B. Kurse zur Sturzprävention).

-           Die Kosten der Heimunterbringung sinken ab dem dritten Projektjahr.

 

Ganz wichtig:

-           Die Besuche sind selbstverständlich freiwillig und für die Seniorinnen und Senioren kostenlos. Der Datenschutz ist gewährleistet.

 

Projekt des Sozialamtes

Das Sozialamt beteiligt sich derzeit an einer NRW-weiten Ausschreibung für ein Projekt mit ähnlichen Zielsetzungen. Dabei geht es darum, Langzeitarbeitslose zu qualifizieren, damit sie haushaltsnahe Dienstleistungen für allein lebende ältere Hartz-IV-Empfänger erbringen können. Ein Ziel ist auch hier, stationäre Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich hinauszuzögern und dadurch perspektivisch Geld einzusparen. Sozialamt, Gesundheitsamt und „dienstbar“ sind im Gespräch, wie diese Ansätze ggf. sinnvoll kombiniert werden können.