Betreff
Digitale Wirtschaft – Beteiligung an der Bewerbung für den DWNRW HUB Düsseldorf/Rheinland
Vorlage
ZS5/1419/XVI/2016
Art
Beschlussvorlage

Beschlussempfehlung:

Der Kreistag befürwortet, dass sich der Rhein-Kreis Neuss der regionalen Bewerbung der Landeshauptstadt Düsseldorf um einen der fünf im Rahmen des Förderaufrufs des Landes Nordrhein-Westfalen ausgeschriebenen DWNRW-Hubs anschließt.


Er beschließt, dass im Erfolgsfall der Bewerbung der Rhein-Kreis Neuss Gesellschafter einer für den DWNRW-Hub Düsseldorf/Rheinland zu gründenden Gesellschaft wird.

 

Die für die Dauer der beantragten Projektlaufzeit  (3 Jahre) benötigte Co-Finanzierung für das Förderprojekt (20.000 EUR/p.a.) werden aus den Produkten 150.571.011 Europabüro und 150.571.010 Wirtschaftsförderung des Kreishaushaltes bereitgestellt.

 

Sachverhalt:

 

In der von der Wirtschaftsförderung gemeinsam mit dem Region Köln/Bonn e.V. am 24.08.2015 in Schloss Dyck veranstalteten Konferenz „Wirtschaft 4.0 – An der Schwelle zur vierten industriellen Revolution! Wie profitiert der Mittelstand?“ skizzierten und diskutierten Experten mit Unternehmen bereits ein Zukunftsszenario für „das Unternehmen von morgen – in der digitalen Welt“. 

 

Wirtschaft/Industrie bzw. Mittelstand 4.0, Internet of Things, Maschine zu Maschine Kommunikation (M2M), Disruptive Innovationen sind Schlagwörter einer sich verändernden digitalen Wirtschaftswelt. Über alle Wirtschaftsbranchen hinweg erfasst die Digitalisierung so gut wie alle Unternehmen; vom produzierenden Großkonzern bis zum serviceorientierten Mittelständler. Zugleich bietet die Digitalisierung jungen Start-Ups erfolgsversprechende Geschäftsmodelle mit Wachstumsperspektiven.

 

Die sich hier ergebenden Chancen und Potentiale zu nutzen gelingt allerdings nicht von selbst. Industriebetriebe; Mittelständler und Gründer müssen sich vielmehr umfassend selbst updaten, müssen herausfinden, wie etwa Wirtschaft 4.0 bzw. Mittelstand 4.0 in ihrem Unternehmen funktionieren kann.

 

Der Rhein-Kreis Neuss ist Heimatstandort von rd. 29.000 (über 99 % klein– und mittständisch geführten) Unternehmen; eine Vielzahl davon im produzierenden Gewerbe. Unternehmen, die heute bereits Verantwortung für rd. 140.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, davon rd. 25.000 Arbeitsplätze in der Industrie tragen.

Für den Rhein-Kreis Neuss als - nach dem BIP je Erwerbsstätigen - wirtschaftsstärkstem Kreis in Nordrhein–Westfalen und zweitstärkstem Kreis des Landes nach der aktuellen Studie  zum Zukunftsatlas 2016 steht die fortschrittliche und zukunftsfeste Entwicklung von Wirtschaft und Unternehmen sowie hierüber die Schaffung von innovativen Arbeitsplätzen am Standort in hoher Priorität von Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsförderung.   

Der Rhein-Kreis Neuss in direkter Nachbarschaft zu den rheinischen Oberzentren Landeshauptstadt Düsseldorf und Köln ist Teil der wirtschaftlich prosperierenden Rheinregion, welcher auch weiterhin sehr gute Zukunftsperspektiven vorhergesagt werden.

 

Wettbewerbsfähigkeit zu bewahren oder - besser noch - seine unternehmerischen Marktchancen zu verbessern, bedeutet, sich neuen Herausforderungen in einer globalisierten Weltwirtschaft und in einem immer schnelleren Wandel zu stellen.

 

Die Veränderung durch die Digitalisierung ist einer der unumkehrbaren Megatrends, denen sich Betriebe wenn nicht schon heute praktiziert, spätestens schon in sehr naher Zukunft werden stellen müssen, um ihr Geschäftsmodell am Markt und damit die Arbeitsplätze im Unternehmen zu sichern.

 

Damit die digitale Transformation gelingt, benötigt es einen wirtschaftlichen Rahmen und ein Umfeld, welche diese Prozesse begünstigen und fördern. Dazu zählt ein flächendeckendes breitbandiges schnelles Internet ebenso wie der Zugang zu Innovationen.

 

Gemeinsam mit der IHK Mittlerer Niederrhein hat die Wirtschaftsförderung im 1. Quartal d.J. Unternehmen befragt „Wie digital ist der Niederrhein und damit auch der Rhein-Kreis Neuss?“

 

Dabei bestätigen über 65 % der an der Befragung teilnehmenden Unternehmen, dass sich Deutschland und damit die deutsche Wirtschaft im Übergang zur 4. industriellen Revolution befindet. In einer Selbsteinschätzung sehen sich aber nur rd. 50 % der Betriebe gut vorbereitet auf das Zeitalter der Digitalisierung, ihre eigene Wirtschaftsbranche sehen diese Betriebe gar nur zu 20 % gut vorbereitet.

In einer Gesamteinschätzung zur Bedeutung der „Digitalen Wirtschaft“ sehen  75 % der Betriebe ihre Branche zwar vor großen Herausforderungen; gleichzeitig werten aber 9 von 10 Betrieben die Digitalisierung als Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland.    

 

Bei der Frage, welche Hemmnisse die Unternehmen sehen, wenn es um die Umsetzung geht, stehen folgende Argumente im Vordergrund:
 

ð  Fehlende Transparenz über den wirtschaftlichen Nutzen

ð   Offene Fragen in der IT-Sicherheit und im Know-How Schutz

ð  Fehlender Erfahrungsaustausch über Best Practises

ð  Fehlende Anknüpfung mit den bestehenden Produktions-/Geschäftskonzepten

 

Zu der Frage, welche Unterstützung sich die Unternehmen wünschen, stellen die Unternehmen folgende Anforderungen:

ð  Zugang zu einer Plattform für den Austausch von Ideen, Projekte und Partnerschaften

ð  Zugang zu fachlicher Information

ð  Austauschplattform über Best Practise

 

Auch das Land Nordrhein Westfalen räumt der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft eine besondere Priorität für seine Standortentwicklung ein.
Über den getätigten Förderwettbewerb „DWNRW-Hubs – Regionale Plattformen für die Digitale Wirtschaft in NRW –„ startete das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes NRW einen Aufruf, bis zu fünf sog. Digitale Hubs im Bundeland NRW zu gestalten und zu stärken. Der Fördertaufruf ist als Anlage beigefügt.

 

Zielrichtung der DWNRW Hubs ist es, einerseits die innovationsbasierenden Unternehmens- Start-Ups in NRW zu fördern und diese anderseits zu einer Drehscheibe für Kooperationen und zur Zusammenarbeit von Start-Ups, Mittelstand und Industrie werden zu lassen. Die Digitalen Hubs in NRW sollen die Digitale Transformation in Mittelstand und Industrie fördern und Plattform sein für den Zugang zu Informationen und praxisnahen Beispielen über die Themen der „digitalen Welt“.     


Die Landeshauptstadt Düsseldorf ist an den Rhein-Kreis Neuss mit dem Interesse an einer gemeinsamen regionalen Bewerbung um einen der fünf avisierten DWNRW-Hubs herangetreten. Unterstützt durch das Wirtschaftsinstitut Prognos AG wurde dazu die Bewerbung durch die Stadt Düsseldorf vorbereitet. Diese wurde zum 1. Juni 2016 fristgemäß beim Projektträger Jülich eingereicht.

 

Die Region Düsseldorf bewirbt sich hier als Standort für einen der fünf digitalen Hubs in Nordrhein-Westfalen. Im Zentrum der Bewerbung stehen die Anbahnung und das Management von Kooperationen zwischen Startups, Mittelstand und Industrie rund um digitale Themen sowie ein Acceleratorenprogramm für digitale Startups.

 

Ziel der Initiative ist es, Impulse für die Digitalisierung der regionalen Wirtschaft zu setzen. Der DWNRW-Hub Düsseldorf/Rheinland ergänzt mit seinen Angeboten und Leistungen das bestehende digitale Ökosystem und schafft einen klaren Mehrwert für uns und für die Region.

 

Eine Beteiligung des Rhein-Kreises Neuss soll im Kontext einer verstetigten regionalen Zusammenarbeit beim Thema Wirtschafsförderung insbesondere hiesigen kleinen und mittelständischen Unternehmen die Zugangsmöglichkeit zu den Entwicklungen und Technologien der sog. „Digitalen Transformation“ schaffen. 

 

In der praktischen Arbeit soll über die projektbeteiligten Gebietskörperschaften mit ihren Wirtschaftsförderungen bzw. über deren Wirtschaftsförderungsgesellschaften eine regionale Kommunikations- und Aktivitätsschnittstelle mit dem DWNRW-Hub Düsseldorf/Rheinland für die Wirtschaft entstehen, die den Unternehmen Zugang und Unterstützung bietet für die  Einführung zukunftsfähiger digitaler Technologien.  

 

In der weiteren Perspektive der Projektbeteiligung soll sich auch die Ausführung und Etablierung eines sog. Co Working Space im Rhein-Kreis Neuss ergeben. Auf diesen sollen die Innovationsförderung der Gründerscene, die Fachkräftesicherung durch die Bindung universitärer Talente sowie die internationale Positionierung in Verbindung mit dem DWNRW-Hub Düsseldorf inhaltlich und räumlich auch auf den Rhein-Kreis Neuss übergehen.

An diesem und weiteren Orten im Rhein-Kreis Neuss sollen so mit dem DWNRW-Hub Düsseldorf/Rheinland gemeinsame Maßnahmen und Aktivitäten zur Förderung der „Digitalen Wirtschaft“ durchgeführt werden.  

 

Der Rhein-Kreis Neuss hat mit den weiteren Partnern der Bewerbung um den DWNRW-Hub Düsseldorf/Rheinland ein gemeinsames Interesse, dass unsere Unternehmen in erreichbarer räumlichen Nähe an den avisierten Möglichkeiten eines der landesweit etablierten 5 Digitalen Hubs partizipieren können, was gleichzeitig intendiert, dass unsere pulsierende Wirtschaftsregion im Metropolraum Rheinland nicht von den innovativen Entwicklungen und technologischen Fortschritten der „Digitalen Wirtschaft“ abgeschnitten wird.

 

Neben dem Rhein-Kreis Neuss wird die Düsseldorfer Bewerbung in ihrer regionalen Ausrichtung von insgesamt vier Industrie- und Handelskammern der Region (Düsseldorf, Mittlerer Niederrhein, Niederrheinische IHK, IHK Wuppertal) sowie von den  verschiedenen Wirtschaftsförderungseinrichtungen des Kreises Mettmann sowie der kreisfreien Städte Mönchengladbach und Krefeld unterstützt.

 

Eine Kurzpräsentation zur inhaltlichen Ausrichtung sowie zur Organisationsform der Bewerbung für den DWNRW-Hub Düsseldorf/Rheinland liegt anbei.

 

Das Land NRW setzt für ein erfolgreiches Bewerbungsverfahren voraus, dass für den „Digitalen Hub“ eine sog. Inkubatorgesellschaft gegründet wird. Diese Gesellschaft kann in einem strukturierten Umfeld von weiteren Akteuren (Institutionen, Regionen, Wirtschaft, Forschung etc.) unterstützt werden.  

 

Im Falle des positiven Ausgangs der Bewerbung der Landeshauptstadt Düsseldorf für den DWNRW-Hub Düsseldorf/Rheinland beabsichtigt der Rhein-Kreis Neuss Gründungsmitglied in der sich für den DWNRW Hub Düsseldorf/Rheinland formierenden Gesellschaft zu werden. Die einzelnen Gesellschafter des „DWNRW Hub DUS/Rheinland“ tragen bis zu 20.000 EUR/Jahr, damit bis zu 60.000 EUR über die angestrebte Projektlaufzeit von 3 Jahren, in die Gesellschaft bei.