Betreff
hier: Anfrage von SPD und Bündnis 90/Die Grünen Prävention von Gewalt, Missbrauch, Rassismus und Diskriminierung im Sport
Vorlage
52/0652/XVII/2021
Art
Beschlussvorlage

Beschlussempfehlung:

 

Sachverhalt:

Es gibt bereits zahlreiche Programme und Kampagnen, die sich auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene mit der Thematik beschäftigen. Der Status Quo sieht wie folgt aus:

DOSB

Der DOSB hat am 05.12.2020 ein Stufenmodell zur Prävention und zum Schutz vor sexualisierter Gewalt verabschiedet. Hiermit verpflichten sich die Mitgliedsorganisationen zur schrittweisen Umsetzung bis spätestens zum 31. Dezember 2024. Ziel ist es, dass mittelfristig alle Mitgliedsorganisationen im Bereich Prävention von sexualisierter Gewalt inhaltlich und strukturell „adäquat aufgestellt sind“ und der organisierte Sport „Verantwortung bei dieser wichtigen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe übernimmt“. Neben der Präventionsarbeit gehören auch die Intervention und die Aufarbeitung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt dazu. Das Stufenmodell sieht eine jährliche schrittweise Umsetzung ab 2021 vor, wobei die Reihenfolge auf die eigenen Organisationsstrukturen und Prozesse angepasst werden kann.

 

Deutsche Sportjugend (DSJ)

Die Deutsche Sportjugend (DSJ) als Verbund aller Verbandsjugenden in Deutschland und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sprechen sich eindeutig für eine Integration des Themas „Prävention von sexualisierter Gewalt“ in die Verbands- und Vereinsarbeit aus. Sogar Fördergelder sind an die gewissenhafte Umsetzung eines Präventions- und Interventionskonzeptes gebunden. Diese Top-Down-Strategie ist ein Anfang. Allerdings lebt der Vereinssport von dem Engagement der Aktiven aller Altersgruppen und muss durch diese aktiv mitbestimmt werden. Um die Prävention sexualisierter Gewalt also nachhaltig zu gestalten, bedarf es breit gestreuter Multiplikatoren auf allen Ebenen der Sportorganisation.

 

Fachverbände

Bei den meisten Verbänden ist das Thema „Prävention von sexualisierter Gewalt“ bei der jeweiligen Sportjugend angesiedelt. Aktuell ist eine zentrale Aufgabe, sexualisierte Gewalt im Sport zu enttabuisieren und Übergriffe jedweder Art zu verhindern. Es gibt mehrere Ansätze, die das Ziel verfolgen, die Präventionsarbeit ebenfalls als Teil einer durchdachten Weiterbildungsstrategie zu etablieren.

 

LSB NRW

Das Engagement des Landessportbundes NRW basiert auf einem 10-Punkte-Aktionsprogramm, das von seinem Präsidium und seiner Sportjugend im Jahre 2011 beschlossen worden ist. Dazu gehören:

-       Entwicklung von fachspezifischen Konzepten zur Prävention

-       Information und Sensibilisierung

-       Entwicklung eines Elternratgebers

-       Qualifizierung von Ansprechpersonen

-       Erarbeitung eines Leitfadens zur Intervention

-       Verbindlicher Qualifizierungsbaustein

-       Ehrenkodex

-       Erweitertes Führungszeugnis

-       Ausbau der Kooperationen

-       Jährliche Berichterstattung

-       Qualifizierung von Ansprechpersonen

Für die genannten Maßnahmen und Projekte stellen der LSB und das Land NRW Mittel zur Verfügung. Diese Mittel werden den kommunalen Stadt- und Kreissportbünden sowie den Sportfachverbänden zur Verfügung gestellt. Den Antragstellern werden jeweils 1000 Euro jährlich für Projekte, Maßnahmen und zur Qualifizierung von Ansprechpartnern zur Verfügung gestellt.

 

Rhein-Kreis Neuss

Im Jahr 2010 hat der Rhein-Kreis Neuss mit Partnern aus Sport und Wirtschaft die Kampagne „Zeig die rote Karte“ ins Leben gerufen, die sich gegen sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen im Sport richtet. Ziel war es, in der Öffentlichkeit und insbesondere in den Sportvereinen eine Atmosphäre für einen offenen Umgang und eine weitere Sensibilisierung der handelnden Akteure mit dieser Thematik zu schaffen. Es wurden Informationsbroschüren, Aus- und Fortbildungen für Vereinsfunktionäre und Übungsleiter bereitgestellt. Unter anderem fanden ein Vereinssporttag mit Fachvorträgen von Experten und ein Seminar für Übungsleiter statt.

Aktuell ist Dominik Steiner als Geschäftsführer der Ansprechpartner beim Sportbund des Rhein-Kreises Neuss für das Thema „Prävention von sexualisierter Gewalt“. Eine Aufklärungs- und Sensibilisierungsoffensive ist in vollem Gange. Bei der Klausurtagung des KSB im November 2021 wird dies das Schwerpunktthema, unter anderem ist eine Satzungsänderung beabsichtigt. In Zusammenarbeit mit den Stadtsportverbänden werden aktuell die relevanten Punkte für die Klausurtagung besprochen und ausgearbeitet.
Ausgangs- und Orientierungspunkt für die beratende Funktion des Kreissportbundes ist das Aktionsprogram des LSB NRW (siehe oben). Information und Sensibilisierung, Qualifizierung von Ansprechpersonen und die Erarbeitung eines Leitfadens zur Intervention sind in diesem Zusammenhang wichtige Themen in der Interaktion mit den Vereinen des Kreises.

Das Jugendamt des Rhein-Kreises Neuss als die zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für Jugendschutz in Korschenbroich, Jüchen und Rommerskirchen unterscheidet grundsätzlich nicht zwischen Sportlern und Nichtsportlern. Das Beratungs-/Betreuungspersonal wurde in letzter Zeit sogar aufgestockt, so dass bei der kürzlich stattgefundenen Abfrage des Familienministeriums bei den kommunalen Trägern zur Bedarfsermittlung weiterer finanzieller Unterstützung für Personalstellen kein Bedarf gemeldet wurde.

Die „Ambulanz für Kinderschutz“ ist darüber hinaus eine weitere spezialisierte Fachberatungsstelle, die unter anderem durch den Rhein-Kreis Neuss finanziert wird. Seit Sommer 1994 besteht dieses Dienstleistungsangebot des Ev. Verein für Jugend- und Familienhilfe gGmbH auf dem Gelände des Lukaskrankenhauses in Neuss. Die Ambulanz für Kinderschutz – AKS – wurde 1988 auf Initiative des Jugendhilfeausschusses der Stadt Neuss in Trägerschaft des Evangelischen Vereins für Jugend- und Familie e.V. errichtet und unterstützt. Seit 1994 wird sie auch von den Politiker und Politikerinnen der im folgenden genannten Städte und Gemeinden als notwendige Maßnahme bürgernahen Kinderschutzes gewollt und als Solidargemeinschaft finanziert: Dormagen, Kaarst, Neuss, Rhein Kreis Neuss sowie seit 2002 auch die Stadt Grevenbroich. Das Team der Ambulanz für Kinderschutz besteht aus vier Diplompsychologinnen mit unterschiedlichen therapeutischen Ausbildungen, Schwerpunkten und Zeiteinsätzen sowie einem Koordinator. Eine Teilzeit-Bürokraft unterstützt das Team. Die formalen Kriterien zur offiziellen Anerkennung und Förderungsfähigkeit als Beratungsstelle entsprechend den Richtlinien des Ministeriums für Gesundheit und Soziales.

Das Kommunale Integrationszentrum (KI) im Rhein-Kreis Neuss beteiligt sich darüber hinaus an Maßnahmen gegen Rassismus und bietet systemisches Anti-Gewalt-Training, Deeskalationstraining und Sozialkompetenztraining.

Das KI fungiert als federführendes Amt für das Programm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Dabei werden lokale Projekte unterstützt, die sich mit der Vorbeugung gegen Extremismus, der Förderung von Demokratie und interkultureller Begegnung sowie dem Engagement gegen Menschenfeindlichkeit befassen.

Mehrere Vereine und Verbände haben in der Vergangenheit Fördermittel erhalten für Beiträge zur Bekämpfung von Diskriminierung, Vermittlung demokratischer Werte und Schaffung von Toleranz, Akzeptanz und interkultureller Kooperation.

Videobeitrag „Demokratie leben“: https://www.rhein-kreis-neuss.de/de/verwaltung-politik/demokratie-leben/

 

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen – Unterstützung für Frauen in Not

Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" startete im März 2013 und ist das erste 24-Stunden-Beratungsangebot für ganz Deutschland. Das Hilfetelefon bietet Betroffenen die Möglichkeit, sich zu jeder Zeit anonym, kompetent, sicher und barrierefrei beraten zu lassen. Qualifizierte Beraterinnen stehen den Hilfesuchenden vertraulich zur Seite und vermitteln sie bei Bedarf an Unterstützungsangebote vor Ort, etwa an eine Frauenberatungsstelle oder ein Frauenhaus in der Nähe. Barrierefreiheit und Mehrsprachigkeit sichern den Zugang für Frauen mit Behinderung und geringen Deutschkenntnissen. Auch Angehörigen, Freundinnen und Freunden sowie Fachkräften steht das Hilfetelefon für Fragen und Informationen zur Verfügung.

Kontakte und Beratungsstellen:

Jugendamt Rhein Kreis Neuss

Kinder- und Jugenschutz, Familienförderung
Am Kirsmichhof 2
41352 Korschenbroich

Telefon:02161 6104-5132

 

Ambulanz für Kinderschutz im Rhein Kreis Neuss

c/o Städtische Kliniken Neuss
Lukaskrankenhaus GmbH
Preußenstraße 84 - Haus 5
41464 Neuss

Telefon: 02131/980194

Email: aks@jugend-und-familienhilfe.de

Sportbund Rhein-Kreis Neuss
PSG-Beauftragter  Dominik Steiner

Lindenstr. 16

41415 Grevenbroich

Tel. 02181/601-4086

 

Kommunales Integrationszentrum (KI)
Oberstraße 91, 41460 Neuss

Tel: 02131 928-4011

 

Landessportbund NRW
Referentin für Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport  Dorota Sahle
Tel. 0203 7381-847

 

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

Bundesweites Beratungsangebot für Frauen

Tel. 08000116016

 

Für Betroffene rechtsextremer und rassistischer Gewalt gibt es in Nordrhein-Westfalen (NRW) eine landesweit tätige professionelle Beratung und Unterstützung.

 

Opferberatung Rheinland
c/o IDA-NRW

Volmerswerther Str. 20
40221 Düsseldorf
Tel: 0211/15 92 55 64

info@opferberatung-rheinland.de

 

 

 

 

 

 

 

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