Würdigung der Aktivitäten des Gesundheitsamtes zu dem Thema „Multiresistente Erreger“

Betreff
Würdigung der Aktivitäten des Gesundheitsamtes zu dem Thema „Multiresistente Erreger“
Vorlage
53/2391/XVI/2017
Art
Mitteilung

Sachverhalt:

Der Rhein-Kreis Neuss wurde im November 2017 mit einem Sonderpreis als europaaktive Kommune für sein langjähriges Engagement im grenzüberschreitenden Infektionsschutz gegen multiresistente Keime ausgezeichnet. Der Preis wurde in Düsseldorf von NRW-Europaminister Dr. Stephan Holthoff-Pförtner an Landrat Hans-Jürgen Petrauschke übergeben.

Dr. Stephan Holthoff-Pförtner betonte, dass Europaaktive Kommunen beispielgebend für ein vor Ort gelebtes und lebendiges Europa seien, ohne die es kein bürgernahes Europa gibt.  Die Auszeichnung in der Rubrik „Vernetzen und Mitreden“ wurde dem Rhein-Kreis Neuss für das INTERREG V A Projekt EurHealth-1Health verliehen, in dem das Gesundheitsamt unter der Leitung von Dr. Michael Dörr die Koordination der Projektaktivitäten in der Euregio Rhein-Maas Nord übernimmt. Das Ziel ist die Stärkung der Patientensicherheit im Grenzgebiet entlang der 460 km langen, deutsch-niederländischen Grenze, in dem rund 12 Millionen Einwohner leben. Da Bakterien nicht an Grenzen halt machen, werden in EurHealth-1Health deutsche und niederländische Strategien im Kampf gegen multiresistente Erreger (MRE) diskutiert, vereinheitlicht und etabliert. In zielgruppengerechten, länderübergreifenden Fortbildungsveranstaltungen und in Workshops können neue Kompetenzen, vor allem im Umgang mit MRE, aufgebaut werden und somit einen wichtigen Teil der kommunalen Daseinsvorsorge bilden. Zudem spielt auch die Aufklärung der Bevölkerung über infektionsrelevante Themen eine zentrale Rolle. Ein effektives Tool dazu ist die 2012 im Rhein-Kreis Neuss entwickelte kostenlose Smartphone-Applikation MRSApp. Diese bietet zielgruppenspezifische Informationen zu MRE und zum Umgang mit MRE-kolonisierten Patienten. Die MRSApp wurde bislang über 29.000mal heruntergeladen und umfasst neun Sprachen, sodass die App europaweit genutzt werden kann. Darüber hinaus setzt das Gesundheitsamt auch auf die Informationsweitergabe an die Bürger vor Ort durch den Einsatz eines Informationsmobils. Um die Gesundheitsversorgung zu erhalten bzw. zu verbessern ist es wichtig, allen Beteiligten den Zusammenhang zwischen dem irrationalen Einsatz von Antibiotika und der Entstehung von Resistenzen klarzumachen. Deshalb ist es ein wichtiges Anliegen, den Antibiotikaverbrauch und die Resistenzentwicklung im Euregiogebiet in Abhängigkeit valider Interventionsmaßnahmen darzustellen und an die Experten und die Bevölkerung zurückzuspiegeln. Dabei ist auch der Antibiotikaeinsatz in der Veterinärmedizin mit einzubeziehen. Der Fokus darf nicht nur auf der Gesundheit der Menschen in der Grenzregion liegen, sondern darüber hinaus auch auf der Gesundheit von Tieren, der Sicherheit von Lebensmitteln und den dafür erforderlichen Umwelt- und Produktionsbedingungen.

Auch der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe lobte die Aktivitäten des Rhein-Kreises Neuss in einem Brief an Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Wörtlich schrieb er: „Es ist gut und wichtig, dass der Rhein-Kreis sich an diesem Projekt beteiligt und damit zugleich einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen leistet“.

Das Problem der Verbreitung multiresistenter Erreger ist eines der größten Gesundheitsprobleme unserer Zeit und wird auch auf politischer Ebene ernst genommen. Die Anzahl und Vielfalt von Bakterien, die Resistenzen gegen mehrere Antibiotika ausbilden, steigt ständig an. Das bedeutet, dass bakterielle Infektionen, die in der Vergangenheit wirksam mit Antibiotika behandelt werden konnten, nun schwieriger zu behandeln sind und sogar lebensbedrohlich verlaufen können. Zusätzlich schwächen Antibiotikaresistenzen die Wirtschaftsleistung und bedrohen die Nachhaltigkeit der Gesundheitssysteme. Das Problem der Antibiotikaresistenz ist aber kein allein deutsches Problem, sondern ein weltweites. Es bedarf also einer konsequenten, länderübergreifenden Zusammenarbeit in der Infektionsprävention, um eine Verbreitung von MRE zu verhindern. „Das Projekt EurHealth-1Health ist somit ein sehr gutes Beispiel dafür, wie in Europa effizient voneinander gelernt werden kann“, verdeutlichte NRW-Europaminister Dr. Stephan Holthoff-Pförtner.