Digitalisierung im Bereich Kultur

Betreff
Digitalisierung im Bereich Kultur
Vorlage
40/4052/XVI/2020
Art
Bericht

Beschlussvorschlag:

Der Kulturausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.

Sachverhalt:

Zuletzt wurde hierzu in der Sitzung des Kulturausschusses am 10.02.2020 berichtet.

 

Zu den beiden Kulturzentren Zons und Sinsteden wird in der Sitzung zum Stand der Digitalisierung vorgetragen.

 

Das Archiv im Rhein-Kreis Neuss engagiert sich im Bereich der Digitalisierung in verschiedener Hinsicht. Vier zentrale Felder stehen dabei im Vordergrund:

 

  1. Erschließung von Archivgut mittels der Datenbank Augias Archiv: Da das Archiv seit vielen Jahren rein digital „erschließt“, versammelt die Datenbank mittlerweile beschreibende Informationen über nahezu das gesamte Archivgut der Einrichtung.
  2. Veröffentlichung von Onlinefindmittel in regionalen, deutschlandweiten und europäischen Archivportalen: Seit 2014 hat das Archiv Onlinefindmittel von 27 Archivbeständen mit insgesamt mehreren tausenden Verzeichnungseinheiten publiziert. Nach Abschluss des Relaunch des Archivportals NRW wird dieser Prozess fortgesetzt werden.
  3. Digitalisierung von analogem Archivgut: In den zurückliegenden Jahren hat das Archiv, teils in Eigenleistung, teils durch externe Dienstleister, eine deutlich sechsstellige Anzahl digitaler Bilddateien (JPG, TIFF) von analogem Archivgut unterschiedlicher Art (v. a. Zivil- und Personenstandsregister, Fotografien, Karten etc.) erzeugt, welche nunmehr als Schutz- und Nutzungsmedien Verwendung finden.
  4. Digitale Langzeitarchivierung: Durch die Anschaffung, Einrichtung und Testung der Softwarelösung DIPS.kommunal im Jahre 2019 haben Kreisverwaltung und Archiv den Grundstein gelegt für die Zukunftsaufgabe der Langzeitarchivierung genuin digitalen Archivguts (z. B. elektronische Akten, Fachverfahren, digitale Fotografien), für welches keine analoge Entsprechung existiert.

 

Internationales Mundartarchiv „Ludwig Soumagne“:

Die Digitalisierungsmaßnahme im Internationalen Mundartarchiv „Ludwig Soumagne“(IMA) ist ein fortschreitender Prozess, dessen Abschluss nicht in Sicht ist. Viele Vinyl-Schallplatten wie auch Tonbandkassetten, Tonbänder und Videomittschnitte im Format VHS sind bereits digitalisiert oder werden noch bis Ende 2020 durch eine Honorarkraft bearbeitet. Mit jedem Nachlass, den das IMA erreicht, kommen allerdings neue Materialien hinzu, die ohne Behandlung unwiederbringlich verloren gehen werden. So hat der ehemalige Geschäftsführer des Internationalen Dialektinstituts Wien, der mittlerweile verstorbene Prof. Dr. Hans Haid, dem IMA eine große Sammlung an Studiobändern hinterlassen, ebenso wie der ehemalige Redakteur des Saarländischen Rundfunks Günter Schmidt. Auch diese Aufnahmen sind es wert, digitalisiert zu werden.

 

KreisMuseum Zons

Der Sammlungsbestand Vater-Dobberstein (ca. 1.000 Jugendstilfliesen, Möbelstücke und Vasen) wurde vollständig erfasst. Knapp 700 Stücke der Fliesen sind bereits kostenfrei online einsehbar über www.museum-digital.de. Die Besucher der Website erhalten Informationen und Bilder zu den einzelnen Objekten.

 

Die Inventarisierung der Zinnsammlung wird mit einer Honorarkraft weitergeführt und im Anschluss in großen Teilen auch online einsehbar sein.

 

Das KreisMuseum Zons verfügt jetzt über eine Facebook Seite, die aktuelle Informationen, Veranstaltungen und Bilder teilt. Die Seite bietet einen neuen Kommunikationskanal mit den interessierten Besucherinnen und Besuchern.

 

Kulturzentrum Sinsteden:

Seit Januar 2020 beschäftigt sich Frau Broisch-Höhner als Honorarkraft mit der Digitalisierung im Kulturzentrum Sinsteden. Die archäologische Sammlung wurde in diesem Zuge grob nach Materialgruppen und Zeitstellung vorsortiert. Es befinden sich sowohl Funde aus der villa rustica aus Nettesheim-Butzheim im Museum als auch verschiedene Grabinventare aus Rommerskirchen. Zudem kommen Objekte von insgesamt drei ehrenamtlichen Mitarbeitern vom LVR hinzu, die ihre Funde dem Museum zur Verfügung gestellt haben.

 

Derzeit werden sowohl die Metallobjekte, die Glasobjekte und die Fundstücke aus den Vitrinen digitalisiert. Die Bearbeitung der Glasobjekte ist abgeschlossen. Von den vorhandenen Fundstücken aus Metall ist ca. ein Drittel bearbeitet. Der größte Teil der archäologischen Sammlung besteht allerdings aus Ton- und Steinobjekten, von denen nur einzelne Stücke bisher digitalisiert wurden.

 

Neben der archäologischen Sammlung befinden sich auch die ersten Landmaschinen und landwirtschaftliche Kleinwerkzeuge in der Datenbank, die mit Unterstützung des Fördervereins vervollständigt werden.

 

Musikschule:

Im Bereich der Digitalisierung öffnen sich der Musikschule vielfältige Aufgabenfelder in den Bereichen technische Ausstattung, Kommunikation, Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und nicht zuletzt für den Unterricht.

 

Bedingt durch die Schulschließung zu Beginn der Pandemie fanden die Musikpädagoginnen und Musikpädagogen der Musikschule mit großer Kreativität, dem Einsatz ihrer privaten Endgeräte und Accounts, und im Austausch im Kollegium der eigenen und der Nachbarschulen schnell alternative Wege, um die Schülerinnen und Schüler im Fernunterricht zu betreuen. Neben dem Unterricht am Telefon und per Email versendeten Audio-/Video-Dateien mit Anleitungen zum Üben wurden die verschiedenen Plattformen für Video-Konferenzen erprobt, so dass fast 90 % des Instrumental- und Gesangsunterrichts ab April online durchgeführt wurde. Selbst für Angebote wie die SingPause und JeKits, die Bläser- und Streicherklassen oder die Elementare Musikpädagogik wurde ein Online-Angebot vorgehalten, das ebenfalls dankbar angenommen wurde.

 

Zu diesem Zweck wurden Teile des Hauptgebäudes der Musikschule mit WLAN ausgestattet und 5 iPads ermöglichen seit April den Lehrkräften den Online-Unterricht aus den Räumen der Musikschule.

 

Über die Zeit der Schulschließung hinaus werden die Online-Unterrichtsangebote weiter eine Rolle spielen, bei Krankheit oder Auslandsaufenthalt von Schülern oder - ebenso wie individuelle Audio- oder Video-Sequenzen - zur punktuellen Unterstützung zwischen den wöchentlichen Unterrichtsstunden. Die während der Corona-Pandemie begonnene Zusammenarbeit mit Herrn Feser (Kreismedienzentrum) im Bereich der digitalen Musikproduktion soll fortgeführt und intensiviert werden.

 

Bereits vor der Pandemie hatte die Musikschule Play-alongs für den JeKits-Unterricht auf ihrer Website veröffentlicht, ein QR-Code wies den Schülerinnen und Schülern den direkten Weg zu den einzelnen Stücken des eigens für die Musikschule Rhein-Kreis Neuss erstellten Arbeitsheftes. Die Erweiterung dieses Angebotes ist geplant.

 

Da seit März keine Konzerte und Veranstaltungen stattfinden konnten, haben die Musikpädagoginnen und Musikpädagogen Videos produziert, die auf dem YouTube-Kanal, der Facebook-Seite und der Instagram-Seite des Rhein-Kreises Neuss veröffentlicht wurden.

 

Zu den zukünftigen Aufgaben im Bereich des Sekretariats und der Verwaltung der Musikschule gehören etwa das Bereitstellen einer Online-Anmeldung, der Online-Versand der Gebührenbescheide, eine digitale Schülerakte sowie das Hinterlegen der Lernbiographien der Schüler im Verwaltungsprogramm der Musikschule.

 

Medienzentrum:

Der digitale Wandel ist Teil unserer Lebenswirklichkeit und hat auch die Anforderungen im Bereich Bildung verändert.

 

Um alle an diesem Bildungsauftrag beteiligten Menschen und Institutionen im Rhein-Kreis Neuss effektiv und aktuell auch mit Fortbildungsangeboten praktisch zu unterstützen, arbeiten im Medienzentrum des Rhein-Kreises Neuss als „Haus des (digitalen) Lernens“ verschiedene Medienexperten in zahlreichen Kooperationen und mit einer Vielzahl von medienkulturellen, -technischen und –pädagogischen Projekten und Angeboten zusammen:

·         Medienzentrum

·         Kompetenzteam Rhein-Kreis Neuss

·         Medienberatung und Bewegungswerkstatt

·         und die Geschäftsstelle des Netzwerkes "s.i.n.us - Sicher im Netz unterwegs"

·         zdi-Netzwerk.

 

Das praktische Fortbildungsangebot der drei Medienberater im Rhein-Kreis Neuss für das Lehrerpersonal der 144 Schulen im Kreis umfasst dabei eine Vielzahl von Angeboten:

 

1.   Schulinterne Lehrerfortbildungen aber auch Lehrerfortbildungen im Medienzentrum des Rhein-Kreises Neuss zu sämtlichen Themen des neuen Medienkompetenzrahmens NRW

 

Dieser beschreibt, über welche Fähigkeiten Kinder und Jugendliche im Umgang mit Medien verfügen sollten. Die Medienkompetenzen werden in sechs Kompetenzbereichen gebündelt: Bedienen und Anwenden, Informieren und Recherchieren, Kommunizieren und Kooperieren, Produzieren und Präsentieren, Analysieren und Reflektieren sowie Problemlösen und Modellieren. Insbesondere zu folgenden Themen stehen die Medienberater für Fortbildungen zur Verfügung:

 

> Grundlagen zur Entwicklung und Umsetzung schulischer bzw. fachbezogener Medien-
    und Lernmittelkonzepte

> Systematischer Aufbau von Medienkompetenz mit dem Medienpass

> Unterrichtsgestaltung mit Medien

> Grundlagen zur verantwortungsvollen und rechtssicheren Nutzung digitaler Medien

> Planung und Einsatz lernfördernder IT-Ausstattung

> Filmbildung

 

Zu den genannten Themen bieten die Medienberater eine Vielzahl konkreter, an die Erfordernisse des Unterrichts angepasste Fortbildungsveranstaltungen an, vom Filmschnitt und StopMotion-Technik über das sinnvolle Arbeiten mit Tablets bis hin zu Veranstaltungen zu Risiken und Gefahren im Netz.

 

2.   Regelmäßige Netzwerk-Treffen der Medienbeauftragten aller Schulen im Kreis, sog. Mediencafés zur Organisation von Information, Austausch, Fortbildung sowie der gegenseitigen Unterstützung.

 

3.   Jährliche Barcamps „Digital Lernen“ zur Organisation eines informellen Austauschs zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Nutzung des innovativen Unterrichts- und Lehr-Lern-Potentials im Rhein-Kreis Neuss.

 

4.   Planung und Umsetzung eines „MakerSpace for Kids & Teachers“ als Trainingsraum für die Lehrerfortbildung sowie die Etablierung als außerschulischer Lernort für Schulklassen/-kurse aus dem Rhein-Kreis Neuss im Medienzentrum

 

Das Konzept wurde dem Medienbeirat im Rahmen der 12. Sitzung am 12.10.2017 vorgestellt und wird aktuell durch die Verwaltung geplant. Der MakerSpace wird vor allem im Vormittagsbereich als Ziel für MINT-basierte Unterrichtsgänge als ein außerschulischer MINT-Lernort in enger Kooperation mit dem zdi konzipiert werden, in dem Schulklassen aller Jahrgänge selbst aktiv digitale Prozesse anstoßen und umsetzen. Im Nachmittagsbereich werden Lehrerfortbildungen zu den verschiedensten Angeboten des MakerSpaces angeboten werden. Zudem finden bereits aktuell in den Räumen des Medienzentrums z. B. im Rahmen von Medienwochen in den Ferien regelmäßig schulunabhängige angeleitete Workshops des Zdi (Programmieren, Film usw.) statt. 

 

5.   Beratung von Schulträgern und Schulen zu Ausstattungsfragen.

 

Viele Schulen und Schulträger haben in den letzten Jahren in die technische Ausstattung investiert und wollen den Wandel, der sich im privaten Leben vollzieht, auch im schulischen Bereich verwirklichen: Der Einsatz von PCs, mobilen Endgeräten und modernen Präsentationstechniken sowie die Nutzung des Internets, von Apps oder (fachspezifischer) Software ermöglicht es, besondere Kompetenzbereiche abzudecken. In der Praxis sehen sich die Lehrkräfte häufig mit Problemen konfrontiert, die den direkten Einsatz von Hard- und Software erschweren.

 

Die Fortbildungen im Hause finden aktuell unter Beachtung der jeweils geltenden Corona-Schutzverordnung stark reduziert und mit geringer Teilnehmerzahl statt. Erstmals werden bald auch Fortbildungen im aktuell fertiggestellten MakerSpace als weiteren kreativen Raum durchgeführt werden. Die Fortbildungen des Hauses wurden in den letzten Monaten fast vollständig in den virtuellen Raum verlagert und werden auch zukünftig sicherlich verstärkt als Online-Kurse stattfinden.