Beschluss: mehrheitlich beschlossen

Beschluss:

Der Schul- und Bildungsausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung zu prüfen, welche weitere Zusammenarbeit des Rhein-Kreises Neuss mit der Hochschule Niederrhein oder einer anderen Hochschule möglich gemacht werden kann, um das Ziel, den Rhein-Kreis Neuss als Standort einer öffentlichen Hochschule auszubauen, zu erreichen. Dabei soll der Fokus auf den Aufbau einer Wasserstoff-Fakultät gelegt werden.


Protokoll:

Frau Wienands erklärte, dass der Antrag der Fraktionen vom 24.09.2021 für sich spreche. Obwohl die Bemühungen, den Rhein-Kreis Neuss als Hochschulstandort auszubauen bekannt seien, sei der Antrag aufgrund der Bedeutung und Entwicklung um das aktuelle Thema Wasserstoff relevant.

 

Nachdem Herr Ackburally auf den Haushaltsansatz von 20.000€ für eine Konzeptentwicklung zum Hochschulstandort Rhein-Kreis Neuss verwies und grünen Wasserstoff forderte, Frau Jansen auf die Ideenwerkstatt am Wendersplatz und einer möglichen Zusammenarbeit mit der Stadt Neuss hinwies, fasste Herr Lonnes die bisherigen Bemühungen des Rhein-Kreises Neuss um den Ausbau als Hochschulstandort wie folgt zusammen:

 

  1. Allgemeines

 

a.    Hochschulstandort

 

Der Rhein-Kreis Neuss sei seit etlichen Jahren bestrebt, eine Partnerschaft mit der Hochschule Niederrhein zu begründen und Hochschulstandort zu werden. Er vertrete die Auffassung, dass im Rhein-Kreis Neuss ein gleichberechtigter Standort der Hochschule wie in Mönchengladbach und Krefeld eingerichtet werden soll.

 

 

1.   Lebensmittelinstitut im Rahmen Hochschulpakt

 

Im Jahr 2008 unterstützte der Rhein-Kreis Neuss die Hochschule Niederrhein im Rahmen der Landesinitiative zur Errichtung neuer Hochschulstandorte bei der Bewerbung um die Einrichtung von technischen Studiengängen im Bereich der Energiewirtschaft und der Lebensmitteltechnologie mit dem Ziel, die Studiengänge in Neuss anzusiedeln. Die Bewerbung fand bei der vom Land eingesetzten Jury trotz lobender Erwähnung des Projektes keine Berücksichtigung, da andere regionale Schwerpunkte gesetzt wurden.

 

 

2.   Anerkennung von Bildungsinhalten

 

Von der Hochschule Niederrhein wurden bisher keine Module, die an den Berufskollegs erworben werden können, anerkannt, anders jedoch von den privaten Hochschulen.

 

Alle Berufskollegs des Rhein-Kreises Neuss haben Kooperationsvereinbarungen mit Hochschulen geschlossen. Die Vereinbarungen sehen in der Regel vor, dass besonders qualifizierte Schülerinnen und Schüler der Berufskollegs nach Schulabschluss ein verkürztes Studium an den Partner-Hochschulen absolvieren können. Den Schülerinnen und Schülern werden für ihre schulischen Leistungen Credit Points anerkannt. Zurzeit gibt es folgende Kooperationsvereinbarungen:

BBZ Grevenbroich: Fontys Hogeschool Venlo und Rheinische Fachhochschule Köln-Standort Neuss

BBZ Dormagen: Private Hochschule Göttingen, FOM, EuFH (Kooperation in Planung)

BBZ Hammfeld: FOM, Hochschule Düsseldorf

BBZ Weingartstraße: EuHF, Fontys Hogeschool Venlo, FOM, Wilhem-Büchner-Hochschule Pfungstadt (Fernstudium).

 

Lediglich Schülerinnen und Schüler des BBZ Grevenbroich können als „Jungstudierende“ an Lehrveranstaltungen der Hochschule Niederrhein teilnehmen. Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf bietet Schülerinnen und Schüler des BBZ Weingartstraße Gelegenheit zur Studienorientierung.

 

 

3.   Schreiben an Ministerin Svenja Schulze im Jahr 2015

 

In der Sitzung des Schulausschusses vom 01.06.2015 wurde darüber berichtet, dass die damalige Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, Frau Svenja Schulze, angeschrieben und ausdrücklich die Bereitschaft des Rhein-Kreises Neuss betont wurde, der Landesregierung jede Hilfe anzubieten und sie bei der Suche nach einem Standort sowie bei den erforderlichen Infrastrukturmaßnahmen für eine staatliche Fachhochschule zu unterstützen und dabei zu helfen, sowohl die Hochschule als auch ihre Mitglieder in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben im Rhein-Kreis Neuss einzugliedern.

 

Gleichzeitig wurde Frau Schulze angefragt, ob sich für den Standort Rhein-Kreis Neuss Chancen für die Errichtung einer staatlichen Fachhochschule oder den Ausbau eines Hochschulverbundes zwischenzeitlich ergeben haben. In ihrer Antwort wies Frau Ministerin Schulze darauf hin, dass sie die wirtschaftliche Bedeutung, die besondere Standortqualität und die hervorragende Verkehrsanbindung des Rhein-Kreises Neuss nicht in Frage stelle. Der Rhein-Kreis Neuss profitiere jedoch davon, dass er in direkter Nachbarschaft an seinen Kreisgrenzen von vielen exzellenten Universitäten und Fachhochschulen umgeben sei. Es sei kein weiterer Ausbau der Hochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen geplant, da das Land über die dichteste Hochschullandschaft Europas verfüge und zuletzt 2009 vier neue Fachhochschulen und acht neue Standorte und Studienorte an bestehenden Fachhochschulen geschaffen habe.

 

Damit lehnte die Ministerin den Rhein-Kreis Neuss als Hochschulstandort ab.               (Sitzungsvorlage-Nr. 40/0663/XVI/2015 und 40/0557/XVII/2021)

 

 

4.   Schreiben an Ministerin Pfeiffer-Pönsgen vom 31.05.2021

 

Bezugnehmend auf die Initiative von 2015 wurde die Ministerin um Auskunft gebeten, welche Chancen der Rhein-Kreis Neuss aktuell als Standort einer staatlichen Fachhochschule oder einer Hochschule habe (Sitzungsvorlage-Nr. 40/0557/XVII/2021). Frau Ministerin Pfeiffer-Pönsgen hat geantwortet und mitgeteilt, dass aufgrund der Dichte in NRW der Kreis nicht als öffentlicher Hochschulstandort in Betracht kommt.

              

5.   Zwischenergebnis

 

Hierüber ist der Schul-und Bildungsausschuss in seinen Sitzungen am               08.09.2008, 01.06.2015 und 14.06.2021 sowie der Kreistag am 29.09.2021 in Kenntnis gesetzt worden.

 

b.   Wasserstoff

 

1.   Ausbau des Wasserstofflabors am BBZ Dormagen im Jahr 2023 im Rahmen der Förderung durch „Gute Schule“ bzw. Digitalpakt

 

Seitens des Rhein-Kreis Neuss ist vorgesehen, die Berufskollegs zu Berufsakademien auszubauen. Der Fachbereich Chemietechnik am BBZ Dormagen soll zu einem Kompetenzzentrum „Elektrolyse, Brennstoffstelle und Regenerative Energien“ ausgebaut werden. Umweltschutztechnik wird fester Bestandteil sowohl der Erstausbildung als auch der Weiterbildung in der Fachschule für Technik sein. Geplant ist die Errichtung eines Labors zur Herstellung von Wasserstoff im Elektrolyseverfahren sowie die Beschaffung von Apparaturen für Schülerversuche und einer elektrochemischen Workstation. Am BBZ Dormagen wird geplant, nach Einrichtung des Labors im Bildungsgang der Fachschüler, die den Abschluss staatlich anerkannter Techniker erwerben, auch Module für Wasserstofftechnik anzubieten.

 

 

2.   Beteiligung des BBZ Dormagen an dem Projekt Kompetenzregion Wasserstoff

 

Der Rhein-Kreis Neuss ist Partner der Kompetenzregion Wasserstoff, die durch eine Initiative zahlreicher Partner getragen wird. Der Rhein-Kreis Neuss soll zu einer Wasserstoff-Drehscheibe werden. Wasserstoff wird eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung des Strukturwandels, der sicheren und sauberen Energieversorgung der Zukunft, dem Erreichen der Klimaschutz-Ziele und der Schaffung neuer Jobs spielen.

 

Hierbei soll die  Förderung durch ein geeignetes Programm des Landes in Anspruch genommen werden. Daher hat sich der Rhein-Kreis Neuss am Förderwettbewerb des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen „ Modellkommune/-region Wasserstoff-Mobilität NRW“ beteiligt. Nachdem in der ersten Stufe des Förderwettbewerbs das Grobkonzept erfolgreich eingereicht wurde, sollen die dort beschriebenen Ansätze konkretisiert werden. Bei der „Erstellung des Feinkonzeptes Wasserstoffmobilität“ haben das Berufsbildungszentrum Dormagen und das Berufsbildungszentrum Neuss-Hammfeld ihre Unterstützung zugesagt.

 

Interessiert sind die Berufskollegs  an folgenden Komponenten des geplanten Modellprojekts:

-       Einsatz von Brennstoffzellen in Rangierloks

-       Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen, Geschäftsmodelle, Wasserstofflogistik

-       Vermittlung von Kompetenzen und Grundlagen im Rahmen der Berufsausbildung

-       Ermittlung und Monitoring von charakteristischen Größen elektrochemischer Systeme im Rahmen der Weiterbildungen

-       Projekte der Langzeitstabilität elektrochemischer Systeme

 

Von der Zusammenarbeit mit den Konsortialpartnern und assoziierten Partnern wird ein deutlicher Mehrwert insbesondere in den Bereichen Ausbildung und Weiterbildung  erwartet.

    

3.   Vorbereitung Projekt Berufskolleg 4.0

 

In der Sitzung des Schul- und Bildungsausschusses vom 02.02.2021 war das Berufskolleg 4.0 bereits Thema und das beabsichtigte Vorgehen der Verwaltung wurde dargelegt. Dabei ist es Ziel, im Rahmen des Revierknotens Innovation und Bildung, die durch die zunehmende Spezialisierung innovativer Unternehmen steigenden Anforderungen an die Kompetenzen der Mitarbeitenden in Schule und Ausbildung frühzeitig zu vermitteln. Im Rahmen dieser Vermittlung können die Berufsbildungszentren und eine Entwicklung derselben zu Berufsakademien eine wichtige Rolle spielen.

 

Weiterhin wurde mitgeteilt, dass beabsichtigt ist, gemeinsam mit der Stabsstelle

Strukturwandel (ZS 6) Fördermittel zur Gestaltung der beruflichen Bildung innerhalb des Strukturwandels und zum Ausbau des 5 G-LTE-Standards zu beantragen.

 

Mögliche Eigenmittel stehen im Bereich Strukturwandel zur Verfügung.

In der Folge wurden Gespräche mit der Stabsstelle Strukturwandel geführt, um die Berufsbildungszentren in einer Projektskizze aufzunehmen. Die Erstellung der

Projektskizze soll über eine Agentur erfolgen, die mit Beginn des Jahres 2022 erarbeitet werden soll.

Gemeinsam mit der Stabsstelle Strukturwandel wurden Vorgespräche mit Agenturen, die für eine solche Projektskizze in Frage kommen, geführt. Letztlich hat sich die Agentur agiplan positiv dazu geäußert, eine solche Projektskizze zu erstellen. Ein Leistungsverzeichnis zur Erstellung der Projektskizze ist bereits aufgestellt.

 

Diese Projekte wurden im Kreistag entschieden und im Schul- und Bildungsausschuss beraten.

 

  1. Konzentration Strukturwandel

 

Im Rhein-Kreis Neuss werden alle Projekte des Strukturwandels im Dezernat I zusammengefasst. In jeder Kreisausschusssitzung wird hierüber berichtet.

Die Konzentration der Zuständigkeit hat sich bewährt. Amt 40 steht über den Vorgang der Projekte im ständigen Austausch, insbesondere mit Amt 61.

 

C.   Wasserstoff-Fakultät

 

Ob die Errichtung einer eigenen Wasserstoff-Fakultät sinnvoll ist, kann nur von der Hochschule beantwortet werden. Der Rhein-Kreis Neuss ist eine Gebietskörperschaft mit der Aufgabe, überörtliche Aufgaben zu erfüllen. Die Einteilung einer Hochschule in Fakultäten gehört nicht dazu. Klassischer Weise wird die Erforschung des Wasserstoffes als Element der Chemie einer Fakultät zugeordnet. So werden z. B. auch die Lehrpläne des BBZ Dormagen ausgerichtet.

 

Wünschenswert wäre die Ansiedlung eines Wasserstoffkraftwerks in Grevenbroich, das durch den Konverter mit grünem Strom die Elektrolyse vornehmen und damit Energie gasförmig speichern kann. Hiermit könnte wegbrechende Wertschöpfung aus der Beendigung des Braunkohletageabbaus zumindest teilweise kompensiert werden.

 

Sollte ein solches Wasserstoffkraftwerk errichtet werden, hat der Rhein-Kreis Neuss alles getan, damit gut ausgebildetes Personal eingestellt werden kann.

 

Frau Wienands erklärte danach, dass die Zusammenarbeit nicht allein mit der Hochschule Niederrhein, sondern auch mit anderen Hochschulen anzustreben sei, Wasserstoff als Beispiel anzusehen sei und der Antrag der Fraktionen vom 24.09.2021 zur Beschleunigung des Ausbaus als Hochschulstandort aufrecht erhalten bleibe.

 

Frau Jansen erkannte, dass nach dem Bericht von Herrn Lonnes die Verwaltung nicht nachlasse im Bestreben den Hochschulstandort zu stärken.

Sie stellte einen Gegenantrag zum Aufbau einer grünen Wasserstofffakultät in Zusammenarbeit mit der bereits bestehenden Initiative bei der Stadt Neuss.

 

Nach einer Diskussion, um welchen Wasserstoff es sich handeln solle, an der sich Herr von Canstein, Frau Jansen, Herr Lindow und Frau Schenke beteiligten, bekräftigte Frau Wienands unter Streichung des Satzes „Die Pläne der IHK zum Aufbau eines Bildungscampus am Wendersplatz und die hierfür angedachte Zusammenarbeit mit der Hochschule Niederrhein, könnte eventuell auch an dieser Stelle die Integration einer Wasserstoff-Fakultät eröffnen“ in der Begründung die Aufrechterhaltung des Antrages.

 

Der Schul- und Bildungsausschuss fasste folgenden


Abstimmungsergebnis:

Mehrheitlich beschlossen.

Für den Antrag stimmten 12 Ausschussmitglieder, dagegen 11. Es gab keine Enthaltungen.