Betreff
Fairtrade-Kreis
Vorlage
013/0336/XV/2010
Art
Beschlussvorlage

Beschlussempfehlung:

Der Kreistag beschließt:

1.      Der Rhein-Kreis Neuss soll  im Rahmen der internationalen Kampagne von TransFair „Fairtrade-towns“  den Fairen Handel auf lokaler Ebene fördern und sich entsprechend der fünf Bewerbungskriterien um den Titel „Transfair-Kreis“ bewerben.

Der Rhein-Kreis Neuss unterzeichnet die Milleniumserklärung des Deutschen Städtetages (sh. Anlage) und verpflichtet sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an der Verwirklichung der Milleniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen mitzuwirken.

Sachverhalt:

Bewerbung des Rhein-Kreises Neuss als „Fairtrade-Kreis“ im Rahmen der Internationalen Kampagne“Fairtrade-Towns“ von TransFair   

 

 

1992 starte der gemeinnützige Verein TransFair seine Arbeit mit dem Ziel, benachteiligte Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika zu fördern und durch den Fairen Handel ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Der Faire Handel unterstützt Produzentinnen und Produzenten, insbesondere benachteiligte kleinbäuerliche Familien in den Entwicklungsländern, um ihnen eine menschenwürdige Existenz aus eigener Kraft zu ermöglichen. Zum Beispiel decken die festgelegten Mindestpreise die Produktionskosten und sichern so das Existenzminium. Die gezahlten Aufschläge ermöglichen eine Investition in die Zukunft. Die Standards des Fairen Handels entsprechen den internationalen Standards der Fairtrade Labeling Organization International (FLO).  Die unabhängige FLO-CERT GmbH mit Sitz in Bonn stellt sicher, dass die Produkte mit dem Fairtrade-Siegel nach den internationalen FLO-Standards  produziert und gehandelt werden.

Die Kampagne „Faitrade-Towns“ startete im Jahre 2000 mit großem Erfolg in Großbritannien.  Weltweit existieren über 600 Fairtrade-Towns, wie z.B. London, Rom, Brüssel, San Francisco und Kopenhagen.

In Deutschland wird die Kampagne seit Januar 2009 durchgeführt. Die Kreisstadt Neuss (2009) zählt zu den ersten Fairtrade-Towns in Deutschland und kann auf eine langjährige, erfolgreiche Tradition im Fairen Handel verweisen. Die Neusser-Eine-Welt-Initiative e.V. (NEWI) war 1992 Mitbegründerin von TransFair e.V., der Organisation, die in Deutschland das Fairtrade-Siegel vergibt.

Auf Initiative von Landrat Petrauschke soll auch der Rhein-Kreis Neuss den Fairen Handel auf lokaler Ebene fördern und sich als „Fairtrade-Kreis“ im Rahmen der internationalen Kampagne bewerben. Dabei will der Kreis auf die Erfahrungen der Stadt Neuss und der NEWI aufbauen. Der Landrat hat die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit federführend mit der Umsetzung des Projektes beauftragt.

Eine Fairtrade-Town kann ein Kreis, eine kreisfreie Stadt, eine Gemeinde/Stadt, ein Dorf oder eine Region sein. Der Status wird verliehen, wenn die folgenden fünf weltweit einheitlichen Kriterien erfüllt sind:

 

1.     Es liegt ein Beschluss des Kreistages vor, dass bei allen Sitzungen des Kreistages und seiner Ausschüsse sowie im Büro des Landrates Fairtrade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel (z.B. Tee, Saft) verwendet wird.

Die Umstellung auf fair beschaffte Produkte muss nicht immer zu (größeren) Mehrkosten führen. Fair gehandelten Kaffee bieten z. B. bereits mehrere Discounter zu günstigen Preisen an. Auf die Tasse oder Glas umgerechnet ergeben sich meist nur wenige Cent mehr für einen fair gehandelten  Kaffee, Tee oder Orangensaft. Nach ersten Hochrechnungen betragen die Mehrkosten für die fair gehandelte Produkte im Sitzungsdienst des Rhein-Kreises Neuss  pro Jahr insgesamt rund 1.000 Euro.


Es wird die Entscheidung getroffen, als Kreis den Titel „Fairtrade-Kreis“ anzustreben.

2.      Es wird eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, die auf dem Weg zum „Fairtrade-Kreis“ die Aktivitäten vor Ort koordiniert.

Die Steuerungsgruppe beim Rhein-Kreis Neuss setzt sich zusammen aus jeweils einer Vertreterin/einen Vertreter
- der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Rhein-Kreis Neuss
- des Umweltamtes Rhein-Kreis Neuss
- der Wirtschaftsförderung Rhein-Kreis Neuss
- der Neusser-Eine-Welt-Initiative (NEWI)
- des Einzelhandels

Bei Bedarf sind Vertreterinnen/Vertreter aus Kirchen, Nichtregierungsorganisationen, Schulen, Vereinen und Medien hinzuzuziehen.


3.     In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus fairem Handel angeboten und in Cafes und Restaurants werden Fairtrade-Produkte ausgeschenkt.

Die Anforderung ist nach Einwohnerzahlen gestaffelt; im Rhein-Kreis Neuss müssen dies 55 Geschäfte und 28 Gastronomiebetriebe sein. Insbesondere in der Gastronomie muss noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.


4.     In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fairtrade-Produkte verwendet und es werden dort Bildungsaktivitäten zum Thema „Fairer Handel“
durchgeführt.

Bei einer Einwohnerzahl von über 200.000 müssen zwei Schulen, Vereine und Kirchen gewonnen werden. Im Rhein-Kreis Neuss existieren bereits zahlreiche derartige Initiativen; beispielsweise ist auch das Kreis-Berufsbildungszentrum Weingartstraße hier sehr aktiv. Über den Status Quo hinaus soll aber auch mit Hilfe des Schulverwaltungsamtes, des Kreismedienzentrum und des Kompetenzteams zur Lehrerfortbildung die Sensibilisierung und das Bewusstsein zu diesem Thema in den Schulen gesteigert werden.


5.     Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten auf dem Weg zum „Fairtrade-Kreis“.

In Gesprächen mit der NEWI wurde deutlich, dass eine kontinuierliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit maßgeblich dazu beiträgt, das Bewusstsein für eine „globale Verantwortung“ und „fairer Handel“ in der Bevölkerung zu steigern. Hierbei will - in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren - die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Rhein-Kreises Neuss helfen. Angedacht sind beispielsweise Veranstaltungen und Aktionen im Rahmen der Fairen Woche, Medienarbeit usw.

Über die genannten Kriterien hinaus sollen weitere Maßnahmen die Fairtrade-Kampagne unterstützen:

 

-          Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit will in Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren einen kreisweiten Einkaufsführer für Fairtrade-Produkte im Internet erstellen.

-          Der Kreistag fasst den Beschluss zur Milleniumserklärung des Deutschen Städtetages und anderer Spitzenverbände (sh. Anlage). Bereits über 70 Kommunen haben die Milleniumserklärung unterzeichnet und unterstützen damit die im Jahre 2000 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Milleniums-Entwicklungsziele für eine bessere, gerechtere und sichere Welt.

Im Rahmen des eigenen kommunalen Handelns prüft die Kreisverwaltung auch, inwieweit Produkte aus Fairem Handel im Rahmen des Beschaffungswesens  grundsätzlich den Vorzug gegeben  werden können (z.B.  Bau, Liefer- und Dienstleistungsaufträge).