Betreff
Abschlussbericht der Verwaltung über den "Zug der Erinnerungen" im Rhein-Kreis Neuss
Vorlage
51/1240/XV/2011
Art
Bericht

Beschlussvorschlag:

Der Kreisjugendhilfeausschuss nimmt die Ausführungen zustimmend zur Kenntnis.

 

Sachverhalt:

 

„Zug der Erinnerung“ im Rhein-Kreis Neuss;

16. – 17. März 2011 in Grevenbroich, 18. – 19. März in Neuss

 

Der „Zug der Erinnerung“, eine Ausstellung des gleichnamigen Vereins, befasst sich mit dem Schicksal und der Geschichte von Kindern, die –von ihren Familien getrennt- während der NS-Herrschaft zwangsdeportiert und ermordet wurden. Eine unrühmliche Rolle spielte dabei die damalige Reichsbahn: die Kosten der Vernichtungstransporte wurden von der Reichsbahn wie im „Stückgutverkehr“ -nach Kopfzahl und Entfernungskilometer- berechnet.

Tausende von Zügen aus ganz Europa wurden in Richtung Osten geschleust. Das Ziel hieß Vernichtung. Die Opfer -geschätzt mehr als eine Million- waren jüdische Kinder, Sinti und

und Roma und Kinder von Eltern, die das Nazi-Regime bekämpften.

 

Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung um dieses Geschehen wach zu halten und dem Vergessen entgegenzuwirken. In einem historischen Zug mit Dampflokomotive werden Lebensberichte, Bilder und andere Dokumente über Opfer und Einzelschicksale gezeigt und von pädagogischen Kräften erläutert. Andererseits befasst sich die Ausstellung aber auch mit den Methoden und Motiven der Täter. Seit 2007 ist der Zug der Erinnerung unterwegs; an den Haltepunkten auf 135 Bahnhöfen wurden bisher mehr als 420.000 Besucher erreicht.

In der Ausstellung erhalten die Besucher die Gelegenheit, sich bei der „Spurensuche“

nach Opfern aus dem eigenen Lebensumfeld zu beteiligen. Auch Kinder aus Städten und Gemeinden unseres Kreises gehörten zu den damaligen Opfern!

Die Ausstellung mit ihrer Authentizität in Form und Inhalt eignet sich in besonderer Weise für Schulklassen und Gruppen der Jugendarbeit zur vertiefenden Auseinandersetzung mit der Geschichte; sie gibt ebenso Impulse für die Erziehung und das Aufwachsen in Toleranz, Respekt und Aufrichtigkeit.

 

Auf Initiative der Region Mönchengladbach/Heinsberg im Bistum Aachen machte der „Zug der Erinnerung“ im März/April 2011 nun auch an 13 Bahnhöfen von Krefeld, über Viersen,

Mönchengladbach, Neuss, Grevenbroich bis nach Aachen Station. Regionaldekan Ulrich Clancett informierte erstmals den Kreisjugendhilfeausschuss im Mai 2010 über dieses Vorhaben. Es ging auch darum, die Kosten der 4 Ausstellungstage (ca. 18.000,--€, bedingt durch hohe Nutzungsabgaben an die Deutsche Bahn, für technisches und pädagogisches Personal, Energie u.a.) durch öffentliche Zuschüsse und private Sponsoren abzusichern. Einstweilig war das Bistum Aachen als Ausfallbürge eingetreten. Im November 2010 entschied der Rhein-Kreis Neuss über eine Beteiligung in Höhe von 5.000,--€ (allgemeiner Kreishaushalt) für 4 Ausstellungstage in Grevenbroich und Neuss. Weitere Zuwendungen von der Sparkassenstiftung, von den Kreiswerken Grevenbroich sowie von Parteien und Einzelspendern konnten schließlich die Finanzierung absichern. Im Januar 2011 waren die Schulleitungen aus dem Rhein-Kreis Neuss  zu einer vorbereitenden Informationsveranstaltung mit dem Vorsitzenden des Vereins Zug der Erinnerung e.V., Rüdiger Minow, nach Grevenbroich eingeladen. Die freien Träger der Jugendarbeit und die Jugendeinrichtungen im Zuständigkeitsgebiet des Kreisjugendamtes wurden vorab mit didaktischen Materialien zur Ausstellung versorgt.

 

Die Koordination vor Ort –wie Eröffnungsveranstaltung, technische Vorkehrungen für den

jeweiligen Zughaltepunkt- lag bei der Regionalstelle MG im Bistum Aachen; tatkräftige Unterstützung leisteten Schulamt und Jugendamt des Rhein-Kreises Neuss.

 

Trotz widriger Umstände am Bahnhof Grevenbroich –der Zug musste dort auf einem Abstellgleis halt machen und war nur von der rückwärtigen Seite über einen Parkplatz zu erreichen- war der Besucheranstrom überwältigend. Viele Schulklassen und Gruppen aus

den Jugendverbänden besuchten die Ausstellung und bezeugten ihr einen tiefen und

nachhaltigen Eindruck. In Grevenbroich ebenso wie in Neuss konnten täglich gut 1.000 Besucher festgestellt werden. Die Tageszeitungen berichteten regelmäßig über die Ausstellung und gaben die Eindrücke der sie besuchenden jungen Menschen wieder. Am Bahnhof in Neuss stand der Zug an exponierter Stelle, Bahngleis 2, und war über den Bahnsteig zu betreten.

 

In der Ausstellungseröffnung am 16.03.2011 in Grevenbroich gingen sowohl Hans-Jürgen Petrauschke, Landrat des Kreises, als auch Oliver Keymis, Vizepräsident des Landtages NRW,

auf die Bedeutung der Auseinandersetzung mit der Geschichte und des Wachhaltens der Erinnerung ein. Besonders beeindruckend waren die Anwesenheit und die bewegenden Worte zweier Überlebender der damaligen Vernichtungsaktion. Für deren Mitwirkung hatte der Geschichtsverein Grevenbroich gesorgt.

 

Insgesamt wurden der Ausstellung eine hohe Bedeutung und ein großer Erfolg bescheinigt.

Die regionale Veranstaltungsreihe an 13 Haltepunkten erreichte mehr als 30.000 Besucher.