Betreff
Nachlass Prof. Dr. Fernand Hoffmann
Vorlage
40/440/2008
Art
Beschlussvorlage

Beschlussempfehlung:

Der Kulturausschuss nimmt den Bericht der Verwaltung zur Kenntnis.

Sachverhalt:

Dr. Jean Paul Hoffmann, Luxemburg, hat dem Internationalen Mundartarchiv „Ludwig Soumagne“ des Rhein-Kreises Neuss den Nachlass seines Vaters, Prof. Dr. Fernand Hoffmann, zur dauerhaften Sicherung angeboten.

Fernand Hoffmann wuchs in Hollerich auf und studierte nach dem Abitur 1948 Germanistik, Altphilologie und Geschichte in Paris und Tübingen. Sein Studium beendete er mit der Luxemburger Staatspromotion.

Ab 1953 war er Lehrer am Lycée de Garçons von Luxemburg und studierte ab 1968 in Nancy, wo er nach vier Jahren mit der Dissertation „Thomas Mann als Philosoph der Krankheit“ zum „docteur ès lettres“ promoviert wurde.

1967 wurde er zum Professor am Institut Pédagogique ernannt, 1977 erfolgte der Ruf an das „Centre Universitaire“ in Luxemburg. 1992 trat er in den Ruhestand.

Die Luxemburger Literatur und Linguistik war Hoffmanns Hauptarbeitsgebiet. Zudem war er einer der besten Kenner der Mundartlyrik im deutschen Sprachraum. Hoffmann war Gründungs und Ehrenpräsident des Internationalen Dialektinstituts in Wien und Mitglied des Wissenschaftlichen Rats des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim.

Prof. Hoffmann war 1990 Träger des Friedestrompreises des Rhein-Kreises Neuss. Er verstarb im November 2000 in Hollerich.

Am 21. Mai 2008 haben Kulturdezernent Tillmann Lonnes und Mundartarchivleiter Achim Thyssen den Nachlass von Prof. Hoffmann in Luxemburg in Augenschein genommen.

Der Nachlass umfasst eine Bibliothek mit etwa 30-40 Metern Büchern, vor allem zur Luxemburger Sprache und Literatur, selbstständigen Veröffentlichungen zur deutschsprachigen Literatur und Dialektliteratur, Sekundärwerken zur deutschsprachigen Literatur, Periodika und Zeitschriften.

Darüber hinaus besteht der Nachlass aus einer nicht unerheblichen Menge von Aktenmaterial, bestehend aus teilweise unveröffentlichten Manuskripten, Universitätsmaterial und einem umfangreichen Briefwechsel, u.a. mit Luise Rinser und bekannten Zeitgenossen von Prof. Hoffmann.

Besonders interessant scheinen die sogenannten „Lebenserinnerungen“ von Prof. Hoffmann, die bislang nicht veröffentlicht sind. Immerhin war Hoffmann einige Jahre Hauslehrer des Großfürsten und war mit Persönlichkeiten wie Jaques Santer aufs engste befreundet.

Das Material ist weder geordnet noch verzeichnet. Da eine Einzelblattverzeichnung erforderlich ist, wird die Bearbeitung des Nachlasses nur mit großem Personalaufwand zu leisten sein. Im Rahmen des Programms „JobPerspective“, Leistungen zur Beschäftigungsförderung nach § 16 a SGBII, soll Herr Frank Garhammer, z.Zt. Ein-Euro-Kraft im Mundartarchiv, mit der Grobverzeichnung der Unterlagen betraut werden. Ein entsprechender Antrag ist an das Personalamt des Rhein-Kreises Neuss gestellt worden.

Der Nachlass ist inzwischen von Mitarbeitern des Rhein-Kreises Neuss in Luxemburg abgeholt worden.

Die für den Nachlass erwartete Zahlung einer symbolischen Summe von ca. 5000 € ist von der Stiftung Kulturpflege und Kulturförderung der Sparkasse Neuss an die Witwe von Prof. Hoffmann, Frau André Hoffmann, geleistet worden. Eigentümer des Nachlasses ist damit die Sparkassenstiftung, die wiederum dem Internationalen Mundartarchiv „Ludwig Soumagne“ die Unterlagen als Dauerleihgabe überlassen hat.